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Die Rolle der iberischen Gulli-Deckel

Es gibt auch noch andere Themen als Covid 19, man stelle sich vor!

 

Fotos unten:  Großes Drama an der Rennstrecke von Portimao: Ein Gulli-Deckel schnellt hoch im Qualifying - In Spanien wundert einen eh nichts mehr - Bild 4: Bei Regen (und oft nicht nur dann) stehen die heimischen Autofahrer auf Kriegsfuß mit dem Kreisverkehr! Sie kapieren es immer noch nicht, dass hier die Spurren nach außen geneigt sind, damit die Wassermassen abfließen udn nicht fahrergerechter nach innen, wie in Nordeuropa.

25. Oktober 2020

Gabriele Hefele

   Ich muss voraus schicken: ich bin Formel-1-Fan. Seit ich für PR-Zwecke seinerzeit in der Schumacher-Häkkinen-Ära exclusiv vor Ort eingeladen war zu den Rennen in Barcelona, Monte Carlo, Hockenheim.  So fand ich es aus nachbarschaftlichen Gründen auch wunderbar für die Algarve, dass an dem letzten Oktober-Wochenende  ein Ersatzrennen in dem von mir auch gebliebten Portimao stattfand.

 

  Sie werden nun keine Kommentierung des Renngeschehens von mir erwarten, denke ich, - da eh nur die üblichen Sieger wie Hamilton und Bottas und das Hinterhergefahre von Vettel stattfand auf einem abr endlich anspruchsvolleren, kurvigen Kurs. Nein, großen Unterhaltungswert hatte vielmehr das Gulli/Arqueta-Desaster im Qualifying! Letzteres musste für mindestens eine halbe Stunde unterbrochen werden, weil selbiger Vettel über einen Gulli an der Streckenseite fuhr und der hochschnellte!

 

Wie viele Schrauben braucht das Ding?

  Hätte gefährlich ausgehen können. Aber Leute, verzeiht mir: ich musste  schallend lachen. Denn es ist  ja meinem Mann und mir und den länger hier weilenden Residenten eh klar: So ein Gulli, ob nun in Spanien oder Portugal, ob also beim "großen"oder "kleinen" Bruder (da sind sie sich absolut ähnlich) wird in der Regel nur durch eine große Schraube in der Mitte fest gehalten. Nicht wie in Deutschland etwa durch vier Schrauben an vier Ecken! Mir fiel da auch der Vortrag eines einheimischen Fliesenlegers ein, der mir erklärte, hier in Spanien werde nicht Fliesenhaftgrund über die ganze Fläche verstrichen, nein man nehme die Fliese, platziere einen dicken Punkt des Fliesenklebers in die Mitte derselben und drücke sie an die Wand! Spare ungemein Material...

 

  Zurück zum portugiesischen Gulli: Mir war auch klar: wo jetzt 4 passende Schrauben her kriegen? Vielleicht hat man 2 bis 3 vorrätig, aber vier? Bei näherem Hinsehen auf dem TV-Schirm glaubte ich, einen Handwerker - und viele mit "klugen" Kommentaren drumherum stehende Kollegen, kennt man ja auch - mit einer Klebepistole hantieren zu sehen. Aber jedenfalls ging alles gut aus, auch im Rennen am nächsten Tag.

 

  Übrigens regen wir uns schon lange nicht mehr über die eigentlich gefährlichen Gullis auf: Seit ungelogen 14 (!) Jahren ist unsere zweispurige Straße hoch zu unserer Finca eigentlich nur einspurig befahrbar da man Slalom fahren muss, um die offenen oder halb aufstehenden Arquetas zu umgehen. Wenn man Glück hat, ist die eine oder andere durch einen orangenen Straßenkegel gekennzeichnet. Wir glauben nun auch zu wissen, warum man ins halbwilde Campo bei uns und im Nachbartal nun diesen Weg unbedingt vier(!)-spurig ausbauen muss: da auf jeder Seite sowieso nur je 1 Spur ohne Gefahr für Leib und Leben zu befahren ist.

 


Hurra, wir leben noch!

September 2020

Gabriele Hefele

Okay, die Überschrift ist etwas übertrieben in Boulevard-Schlagzeilenmanier, aber ein bisschen hat man diesen Eindruck: inzwischen schon über ein halbes Jahr Covid19 - Holz klopf-  überlebt. Und das bei den wirklich erschreckend stark gestiegenen Infektionszahlen für ganz Spanien.

Wir fast (gefühlten) privilegierten Landbewohner tragen außerhalb der Finca brav unsere Masken, meiden Groß- und größere Städte der Costa del Sol als Beispiel wie Málaga, Marbella und Estepona, Menschenansammlungen, Partys, Discos in unserem Alter sowieso und vermissen, da nicht in der Tourismusbranche tätig, nicht diesen Pulk der Reisenden in unschönen kurzen Hosen und dergleichen, auch wenige unserer so genannten Freunde, bei denen es sowieso nur zu Smalltalk kam, ehrlich gesagt.

 

Keine heile Welt in diesen Zeiten:

  • Die Einahmen unserer Neue-Energien-Firma sind zurückgegangen, neue Aufträge entwickeln sich zäher und zäher, aber wir fangen sie mit privaten Reserven auf.
  • Kurzarbeit in unserer Firma ist bis Ende des Jahres verlängert: ein Hoch in diesem Fall auf die Sanchez-Regierung, die dies erstmals als spanische Regierung nach dem Beispiel Deutschlands einführte.
  • Ich beobachte, dass ich ungern Arzttermine annehme, versuche mehr per Telefon zu organisieren.
  • Dazu gehören auch die Veterinärtermine mit der reifenden neuen Katzengeneration, die dringend notwendig wären. Werden rausgeschoben.
  • Und ich gestehe: Ich bin durch Corona richtig faul geworden, was Sport und Bücherschreiben angeht. Genieße es sogar.
  • Zur Sucht sind fast meine Kleider-Aussortieraktionen geworden, die aber auch anscheinend andere befällt, wenn man die überquellenden Kleidercontainer betrachtet. Fühlte mich dennoch zur Shopping-Unterstützung neulich angeregt bei regionalem Einkaufscenter - nix online.

Fotos oben von links nach rechts:

Und sie bauen wieder - Corona-Folge: Kleider aussortieren - Und ewig brennen die Wälder...

Was mich aufregt, auch in Corona-Zeiten

  1. Dass manche Gemeinden so tun, als ob nichts wäre und weiter öffentliche Verantaltungen ins Leben rufen, ja sogar die bei den meisten unserer Residenten so verpönten Stierkämpfe plötzlich nach jahrelangen Pausen wieder ins Programm nehmen (ich nenne jetzt keine Namen). Die Quittung sind dann auch gestiegene Infektionszahlen.
  2. Plötzlich gibt es wieder Bautätigkeiten, neue Kräne an der Küste und stolz ins Netz gestellte Grundsteinlegungen. Alles unter dem Motiv von Arbeitsplatzbeschaffung: Ja kennt man denn in Spanien nix anderes als Tourismus- und Ziegel-Industrie? Dabei stehen immer noch die Ruinen der letzten - oft noch der vorletzten - Krise herum! Und außerdem werden nach wie vor Umwelt-Gesetze großzügig ausgelegt, um es vornehm auszudrücken, etwa die Nichtbebauung einer Strandlinie von 220 Meter Abstand etwa, werden vierspurige Hollywoodalleen ins Campo angelegt, Prestigebauten hochgezogen, die dann Einscheibenverglasung (!) aufweisen, die man später kostenspielig renovieren muss oder die leer herumstehen, obwohl dringend gebraucht (ich hüte mich, Namen zu nennen, die meisten wissen eh, was ich meine!).
  3. Und wer zum Teufel, verbrennt immer noch vor dem ersten großen Regen Grundstücksabfälle, schmeißt aus den Autos und LKWs die Abfälle, hinterläßt Strände wie nach Bombenangriffen?!
  4. Transporte laufen irgendwie schleppender, da werden Termine verschoben, ganz zu schweigen von den gräßlich langen Schlangen vor Postämtern, die mich des öfteren zur Umkehr bewegen. Oder sie gehen einfach verloren wie zwei meiner Junisendungen!

Verschwiegen sei aber nicht, dass mich im Guten die Gemeinden und Bewohner bewegen, die Abfallsamlungen veranstalten, dass mein großer Respekt den Bomberos gilt und der Institution INFOCA - hier können andere Länder nur lernen von der - ja, auch das gibt es hier - perfekten Organisation der schnellen Brandbekämpfung, der Lebensrettung und der Solidarität über Gemeinde- und Provinzgrenzen hinweg.

 


1) CoVid 19: Es geht ums Überleben - persönliche Erfahrungen

2) Corona-Zwischenbilanz nach 71 Tagen

Mai/Juni 2020

Andalusien - Phase 1/2

 

In Spanien herrscht inzwischen Alarmzustand in der 5. Verlängerung - meiner Meinung nach mit Recht nach den drittmeisten Infektions- und Todeszahlen in der Europäischen Union.

 

Fotos unten von links nach rechts: Die Nisperoernte Ende März verlangte nach Bearbeitung in Form von Marmelade - alles blühte auf der Finca durch ein echtes Aprilwetter mit Sonne-Regen-wieder Sonne  - Auch die Wildschweine fühlten sich wohl bei uns.

Ich muss gestehen: Ich fühle mich in diesen Zeiten privilegiert durch unser Leben auf dem Lande: auf unserer 3,5 Hektar großen Finca mit allen möglichen Tieren fühlen wir uns nicht eingesperrt, konnten von Anfang an rauf und runter spazierengehen, Sportprogramm machen etcetera. Das Essen ließen wir uns zu einem Großteil von einem unserer Lieblingsventas liefern, die Ernte der Nisperos fiel darein mit Folgen von Marmeladekochen, alles blühte rundherum. In selten Anfällen habe ich die Bekannten in ihren sogeannten Marbella-Luxus-Appartements da direkt bemitleidet: die konnten zwar auf ihren Golfplatz gucken, aber ihn nicht nutzen. 

Okay, ein Nachteil sei auch nicht verschwiegen: die Wildschweine, die sich nächtelang auf unserem Gelände suhlten und dieses zum Teil "umgegraben" haben, da es ja so ruhig wurde hier bei uns in dieser Umgebung.

Ein Hoch auf die Social Medias

Ehrlich gesagt, habe ich wenige unserer privaten Kontakte vermisst (bei einigen war ich sogar froh, dass sie uns nicht auf die Pelle rücken konnten!), die Facebook-, Instagramm- und WhatsApp-Nutzung ließ fast keine Informationslücken zu.  Zitat meines Mannes: "Selten erlebte ich eine Krise so entspannt".  Schließlich hatten wir schon seit unserem Leben hier in Spanien Nine-eleven und die Weltwirtschaftskrise hinter uns gebracht. Gatte hatte ja schon weit vorher seine technischen Beratungen auf Computer und digitale Fernbetreuung umgestellt, da verstärkte sich das nur.               

Fotos oben von links nach rechts: Klappte wunderbar die Menülieferung durch die Antigua Venta Toledo aus Guadiaro - Inzwischen gibt es auch einen neuen Wurf von Katzen, nachdem wir das entsprechende Muttertier nie einfangen konnten zum Sterilisieren - ich hatte mir angewöhnt, nur fröhliche, helle Farben zu tragen, das überträgt sich ungelogen aufs Gemüt! Kann ich als psychologischen Tipp nur bestens empfehlen.

Was bin ich für ein Corona-Typ?

 

Leute, nehmt unbedingt an diesem Forschungsprojekt der Universität Köln teil und ladet Euch diese App herunter!

Das ist eine sehr ausführliche Umfrage,  man lernt auch einiges über sich selbst.  HiHi, so kam bei mir mir heraus:

  • Dass ich zu 42 % zu Neurosen neige im Vergleich zur Bevölkerung - also schon noch unter dem Durchschnitt!
  • und dazu zu 87 Prozent extrovertiert bin,
  • zu 2 Prozent nur verträglich
  • zu 9 Prozent gewissenhaft, aber
  • zu 98 Prozent zur Offenheit neige!!

Ich sehe mich da einigermaßen gut beschrieben, gebe ich zu. Dazu kam noch der Kommentar:

"Stressige Situationen beunruhigen dich durchaus. Du bist jedoch in der Regel in der Lage, deine Gefühle zu regulieren und die Situationen zu meistern...die Häufigkeit positiver Gefühlszustände fällt in den Bereich der höheren Extraversionswerte."

 


März/April 2020

Gabriele Hefele

Erst gab es seit 14. März für zwei Wochen strikte Ausgangssperre - s. "Aktuelles" - , und nun wurde es nicht nur verlängert .sondern auch noch verschärft: Jetzt gehen alle nichtsystemrelevanten Firmen in 'Winterschlaf' für 2 Wochen. Die Massnahmen der spanischen Regierung, die aus der Höllenangst vor italienischen Verhältnissen entsteht, finde ich konsequent:  Besonders diese Woche bis 3.April wird entscheidend.

Wir halten gut durch: Unsere Firma EQUIDEAS kann viel online erledigen, hat keine hohen Fixkosten. Machen wir halt Osterferien!

Und nun erledigen die meisten von uns Residenten - wobei ich übrigens kaum Hamsterkäufe beobachten kann:

- liegengebliebene Arbeiten von Aufräumen, Putzen bis Steuerunterlagen bearbeiten

- oder ungeahnte Talente an sich zu entdecken  wie neue Hobbies oder alte wiederaufleben lassen

- und natürlich notgedrungen Arbeiten zu verrichten, für die man vorher außer Haus ging wie Frisur"bearbeitungen".

- Solidarität wird wieder groß geschrieben, das reicht von Geldspenden bis zum fantasievollen Nähen von Atemmasken und vor allem Einkäufe erledigen für Risikogruppen.

 

Und über allem möchte ich dennoch betonen:

MENSCH VOR MAMMON

Die Fotos ganz oben sprechen für sich, ganz unten von links nach rechts: Viele wagen sich jetzt ans Selberbacken - Bei einem guten Grundschnitt meiner heimischen Friseusen gelingt auch das eigene Nachschneiden, mehr oder weniger! - Und vergesst mir das Lesen nicht: meine eigenen hier abgebildeten lieferbaren Bücher gibt es alle zu ganz günstigen Preisen als hygienische E-Books zum Beispiel nicht nur über amazon.de sondern auch über BoD.de  - Homeoffice oder "tele trabajo", wie man hier in Spanien sagt, ist jetzt angesagt!


Odyssee einer Online-Bestellung

Januar 2020

Gabriele Hefele

 

Fotos unten: Mein Traum vom Schlittschuhfahren - wie im hohen Norden im Foto unten  links, sollte dieses Jahr endlich auch hier im Süden Wirklichkeit werden!

Dieses Weihnachten wollte ich mir endlich Schlittschuhe schenken! Okay, ich lebe an der mit Recht so bezeichneten Costa del Sol, aber in den letzten Jahren gab es im Umkreis zwischen 8 und 18 Kilometern vor allem über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage immer so regional und zeitlich begrenzte Eisflächen beziehungsweise auch Flächen mit einem besonderen Kunststoffbelag, auf dem man  diesen Sport ausüben konnte.  Ich wollte dies  endlich auch mal verwirklichen - mit meiner Erfahrung auf diesem Gebiet seit meiner Kindheit (allerdings nicht ausgeübt seit Jahren)! -  und bestellte mir, meiner Meinung nach rechtzeitig, am Black Friday so ein wahrlich günstiges Paar Schlittschuhe bei einem  bekannten internationalen Sportzubehöranbieter.

   Vorausgeschickt sei noch, dass ich keine Online-Anfängerin bin, aber beim Kauf per PC mich bisher auf Flüge- und Mietauto-Buchen beschränkte. Nein, halt, ich hatte zweimal gute Erfahrungen gemacht mit großen Elektrogeräten, online bestellt, geliefert und hingestellt sowie das alte Gerät auch noch mitgenommen von Corte Ingles - muss ich hier unbezahlterweise aber überzeugt namentlich erwähnen.

Online-KLeidung macht mir keinen Spaß

  Allerdings bin ich sonst keine Käuferin von online-Kleidung oder Schuhen, dafür liebe ich zu sehr das direkte Shoppen hier in unseren regionalen Boutiquen und Kaufhäusern, weil ich doch sofort vergleichen, anprobieren,  und mitnehmen will. Das macht viel zu sehr Spaß, besonders wenn verbunden mit Treffen mit Freundinnen und gemeinsamen Tapasbarbesuchen. Wo ist das kommunikative Erlebnis beim Bildschirmscrollen von Kleidung, die man nicht anfassen kann? Außerdem wie umständlich, auf den Transport zu warten, Verpackungsmüll zu produzieren, eventuell umtauschen zu müssen, wieder auf den Transportista zu warten, ach ne - darin sehe ich keinen Sinn für mich persönlich.

  Womit wir bei der Transportfrage wären, besonders, wenn man auf dem Land wohnt wie ich. Denn jetzt kommen wir zu der eigentlichen Story hinter den Schlittschuhen. Da hier an der Küste weit und breit keine direkt in einem Sportladen aufzutreiben waren, musste ich zum ersten Mal also Schuhe online bei XY bestellen. In Größe 40, das füllte ich ordentlich und direkt aus. Danach aber hatte ich es mit meiner Meinung nach einem vorsintflutlichen Online-Formular zu tun, das auf seinen Vorgaben bestand, also nur strikt Straße, Hausnummer und Ort als Adresse vorsah. Damit findet man uns aber nicht, denn es fehlt dann der Name der Finca - Straßennummern gibt es schon gar nicht, und das Formular ließ auch nicht den genauen Ortsteil oder Urbanisation zu. Normalerweise sind auch unabdingbar die Kilometerangabe  der Carretera. Anders als bei Corte Ingles, wo ich das alles hineinschreiben konnte, war dies da nicht vorgesehen!

  • Ich schrieb also ein Extra-E-mail  mit Adressergänzungen an den Kundenservice,
  • der mir mit seinem Formbrief dies auch 24 Stunden später bestätigte,
  • aber gleichzeitig kam von anderer Stelle schon die Bestätigung, dass die Schlittschuhe bereits unterwegs und in 48 Stunden zu erwarten seien.
  • Die kamen tatsächlich zu meiner großen Freude nach 3 Tagen an, mit der unvollständigen Adresse - aber da hätte ich mir keine Sorgen machen müssen dank des wunderbaren Transportisten:  "Aber ich weiß doch seit  Jahren, wo Ihr wohnt!"
  • Die Freude ließ allerdings sofort nach beim Auspacken der anscheinend lieblos in einen deshalb auch etwas derangierten Karton geschmissenen Schuhe: Die waren Größe 34 und nicht 40!!
  • Meine Bestellung überprüft: da stand eindeutig 40!!
  • Wieder ein Formular auf den PC geladen zur Reklamation online: Aber das ließ wieder keine genaue Beschreibung zu, da sollte ich die falsche Größe auf dem Bestellformular in die richtige abwandeln: Aber dann stünde da ja: 40 in 40 umwandeln! Oh ihr Online-Götter!
  • Nun griff ich wieder zu E-mail mit genauer Erklärung meinerseits und der Frage, was zu tun sei?
  • Wieder Bestätigungsformmail nach 24 Stunden.
  • Dann aber noch einen Tag später sehr nettes Entschuldigungsschreiben des Kundendienstes aus Madrid und Erklärung, dass ich die Kufenschuhe einem von Ihnen beauftragten Transporter auf ihre Kosten mitgeben solle und  nach Eingang bei Ihnen den korrekten Ersatz dann erhielte.
  • Also brav und besser von mir verpackt mit Luftpolsterfolie (sollten die mal sehen, wie man das professionell verschickt!)
  • Schon einen Tag später kam die beauftragte Transportfirma zum Abholen meines Paketes und
  • man glaubt es nicht: nur 1 Stunde später kam eine andere Transportfirma mit den richtigen Schuhen - allerdings wieder sehr lässig verpackt!
  • Und am nächsten Tag noch einmal sehr nettes Entschuldigungsschreiben, wie es nur die Spanier können mit ihren verschlungenen Wendungen!
  • Und dann kam die übliche Umfrage mit Bewertung meiner Sendung. Da erklärte ich auf auf dem Extrateil noch mal alles sehr ausführlich und empfahl, doch mal sich bei den Online-Formularen von Corte Ingles  weiter zu bilden!

Fazit: Die Schlittschuhe selbst gefallen mir sehr gut - siehe die 2 Fotos oben, waren sogar inklusive Kufenschoner. Aber ich weiß, warum ich direktes Kaufen im Einzelhandel nach wie vor vorziehe!

 

p.s. Tragische Schlusspointe: Inzwischen waren ja auch die stressigen Feiertage sehr nahe gerückt, aber viel schlimmer noch:  Anders als die Jahre zuvor haben in dieser Saison weder der Nachbarort links noch der rechts gelegene eine Schlittschuhbahn angelegt - wohl zum Energiesparen angesichts des Klimawandels, was ja sehr löblich ist. Einzig in das entfernte Gibraltar oder noch entferntere Benalmadena hätte ich fahren müssen zum Kringeldrehen, was mir zu umständlich - und gar nicht energiesparend! - war.  Nun werden die mühsam ergatterten schönen Schlittschuhe also erstmal eingemottet...

 


Dezember 2019

Gabriele Hefele

Was können wir selbst  für die Umwelt tun?

Die Klimakonferenz in Madrid ging gerade zu Ende mit dem fatalen, traurigen Ergebnis: Ein Satz mit X, nämlich NIX! Doch sollten wir nicht immer nur mit dem Finger auf andere zeigen, sondern selbst im Kleinen versuchen, umweltbewusst zu denken und vor allem zu handeln. Und wenn das ein jeder täte, dann sähe es bei den fast 7 Milliarden Menschen doch auch besser aus in der Welt.

ZU den Fotos oben: Was man selbst tun kann: Immer eigene Einkaufstasche mit sich führen, Plastiktüten ablehnen - eigenes Gemüse anbauen: Platz ist auf dem kleinsten Balkon in Töpfen und hier im Süden wächst alles prächtig! - Mehr Radfahren, ist außerdem gesund und macht schlank. Klar, es fehlen in Spanien mehr Radwege, man lebt auf großen Straßen gefährlich, aber auch da tut sich peu a peu mehr.

Gerade komme ich vom Wochenmarkt unten am Meer und habe mindestens dreimal bei den Händlern ihre kleinen weißen, kostenlosen (!) Plastikbeutel abgelehnt! Schließlich habe ich meine große Einkaufstasche plus  meist auch Einkaufsnetz plus kleinen Leinenbeutel immer dabei!

Aber dann will ich im Supermarkt etwas Biogemüse erstehen und ärgere mich, dass die Tomaten zwar auf einem Pappteller angeordnet sind, aber darüber eingeschweißt mit Plastik, damit die Info-Aufkleber "Biogemüse" plus Herstellernachweise aufgeklebt werden können. Grrr! Klar, ich gehöre zu denen, die selbst Gemüse anbauen, aber das reicht halt nicht immer das Jahr über, oder es war zu trocken, und die Ernte ist nicht so reichhaltig ausgefallen wie früher schon mal.

Think big oder: wie oben in den Bildern: darf´s ein bisschen mehr Umweltschutz sein? Dazu gehören Solarenergieanlagen,die endlich für den Neubau Pflicht sind - Fotovoltaikanlagen, die von der Rajoy-Regierung ja bestraft und damit auf Null zurückgefahren wurden, zum Glück von PSOE-Sanchez aber wieder gefördert werden - Schwimmteiche statt Swimmingpools bauen - Dächer begrünen!

Energiesparende Fortschritte gibt es nicht umsonst!

 

Wir betreiben seit 2002 eine Firma für erneuerbare Energien mit einem gesunden Konzept, das circa 40 Prozent Energie einspart. Das eigentlich Tragische ist, dass hier an der Costa del Sol immer noch Leute auf alte, aber zunächst vermeintlich billiger einzubauende Methoden zum Beispiel der Heizung und Kühlung zurückgreifen. Damit meine ich vor allem die Air-Condition-Gebläse, die immer noch als "Luxusausstattung" verkauft werden. Leider handeln da Bauausführende nach dem Motto: Haben wir jahrelang so gemacht, warum jetzt was Neues lernen?

Eine der größten spanischen Umweltsünden wurde unter der vergangenen PP-Regierung begangen:  die "Bestrafung" von Fotovoltaikanlagen nach dem Motto: Da könnten ja den großen Energiekonzernen Umsatz und Gewinne entgehen, wenn die Leute da auf Selbstversorgung umschalten! Damit brachten sie diesen Zweig nicht nur zum Erliegen, trieben auch die wenigen spanischen Hersteller der Module in die Insolvenz sowie große Gemüsehersteller, die Hypotheken zum Betrieb ihrer Bewässerung mit Fotovoltaik errichteten und nicht mehr bezahlen konnten.

Ein Hoch auf Sanchez, der dies seit April 2019 sofort wieder rückgängig machte. Allein aus diesem Grund muss er an der Regierung bleiben.

 

Ach, wussten Sie, dass

  • Iberdrola, Endesa und Cepsa in Spanien zu den größten CO2-Verbrauchern gehören?
  • Dass trotz aller stetig steigender Strompreise diese in Spanien eigentlich immer noch niedrig sind im europäischen Vergleich, was den Durchschnittsbürger leider immer noch zu wenig zum Sparen anregt?
  • Dass Spanien zwar vorbildlich bei der Windenergie ist, nach Dänemark die zweithöchste Anzahl an Windrädern aufweist, dass sie aber leider immer noch zu häufig zugunsten von anderen konventionellen Energiequellen abgestellt wird?

 

Es gibt noch viel zu tun, im Kleinen wie im Großen!

 

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Zu diesem Beitrag gab es eine wunderbar ergänzende Zuschrift  von Praonom Chinnok :
"Fahrrad fahren statt immer Auto, oder Moped, gebrauchte Kleidung, Möbel, Fahrzeuge kaufen spart Ressourcen und Geld, und hilft Mutter Erde am meisten . Supermärkte und Marken von Nestlé usw meiden so weit wie es möglich ist . Am Anfang etwas schwierig, aber nach 3 Wochen ganz normal und fühlt sich gut an . Kauft so viel wie möglich bei Tante Emma oder auf dem Markt und von euren Bauern. Danke! Viva la liberdade."

Fotos oben: Und dann gibt es noch die vielen Möglichkeiten des UPCYCLING wie hier die immer moderner werdende Verwendung von Paletten als Blumenständer oder -haler an der Wand und vor allem als Sitzmöbel, bevorzugt auf der Terrasse (Gabriele Hefele)


November 2019

Gabriele Hefele

Mauerfall vor 30 Jahren: Über die offene Grenze nach Spanien!

  Es ist Erinnerungs-Zeit zum Mauerfall am 9. November 1989, den viele von uns als Zeitzeugen erlebten. Wir widmen uns hier speziell den ehemaligen DDR-Bürgern, die hier in Spanien ansässig wurden.  Vorneweg:  Nach 30 Jahren und hier im südwestlichen Teil Europas scheint es weniger eine Rolle zu spielen als heute noch teilweise in der BRD, woher einer kommt, ob er mal ehemaliger DDR-Bürger war. 

 Jeder von uns weiß genau, wo er am Abend des 9. November 1989  war, was er gerade machte, ein Phänomen - wie seinerzeit bei der Ermordung John F. Kennedys. "Einen Tag wie diesen vergisst man im Leben nie. Wir fielen uns auf offener Straße mit wildfremden Menschen um den Hals."  So und ähnlich lauten die Aussagen zu diesem denkwürdigen Tag, an dem die einzige deutsche und dabei friedliche Revolution ihr Ziel erreichte, das mit Gorbatchov und seinem "Glasnost" und "Perestrojka" seinen Ausgangspunkt nahm. Dann kamen die den eisernen Vorhang zerschneidenden Ungarn und vor allem die Leipziger der Nikolaikirche und der berühmte Satz des Günter Schabrowski zur Reisefreiheit. Und dann gab es kein Halten mehr und die Mauer fiel!

Das war und ist die Mentalität, die auch viele aus den so genannten Neuen Bundesländern durchstarten ließ hierher nach Spanien! Im folgenden stellvertretend zwei Beispiele.

 

 

 Vom Todesstreifen nach Coin

Michael K. war damals 22 Jahre alt und als Wehrpflichtiger bei den Grenztruppen bei Halberstedt: "Da ich ausgebildeter Heizungstechniker und Installateur war,  wartete ich alle technischen Anlagen, war also nicht vorne bei den Patrouillen eingesetzt, das waren nur die Volksarmee-Angehörigen. Wir erfuhren erst zwei Tage später von der Öffnung der Mauer. Bis zum Ende meiner Wehrpflicht waren wir damit beschäftigt, den Zaun abzubauen und die Tore zu öffnen. Das Ingenieurstudium ließ man mich übrigens in der DDR damals nicht abschließen, ich wurde 3 Wochen vor den Prüfungen exmatrikuliert, weil ich mich nicht zu den Grenztruppen verpflichten lassen wollte.

 Mit meiner guten technischen Ausbildung, - das war auch im Westen über die DDR zu diesem Bereich bekannt  - kam ich sofort bei einer großen westlichen Hausbaufirma unter, denn dann begann ja der große Bauboom im Osten. Ich war als Bauleiter in der gesamten Bundesrepublik unterwegs, unter meiner Leitung entstand zum Beispiel die neue Film- und Fernseh-Hochschule in Babelsberg.

 2004 rief mich ein "Wessi"-Freund in Marbella an und wollte seine Villa nur von mir gebaut haben. So kam ich nach Spanien. Ich muss also sagen: Ich war zur rechten Zeit am rechten Ort mit meinem Alter, meiner Ausbildung und dem jugendlichen Elan, etwas Neues beginnen zu können.

Übrigens ist für mich, was meinen Bereich der Installation angeht, wenn mal wieder ein Ersatzteil nicht oder nur so ähnlich nach langem Warten zu erhalten ist, Spanien manchmal eine ‚DDR mit Palmen!’ Aber grundsätzlich lasse ich nichts auf die Spanier kommen, besonders nach Feierabend, da sitzen wir mit meinen Nachbarn im Campo  fröhlich bei einem Gläschen zusammen.“

 Zur rechten Zeit am rechten Ort

Franziska E. aus Marbella war damals 12 Jahre alt und kaufte sich im Westen "als erstes Nutella“.  Wie kam sie an die Costa del Sol?

 „Ich studierte Hispanistik in Leipzig und wollte meine Sprachkenntnisse vor Ort verbessern. So bewarb ich mich als Au Pair und kam zu einer spanischen Familie nach Marbella. Das gefiel mir so gut, dass ich erst bei einer großen Immobilienfirma anfing und als die nach Barcelona verlegt wurde, fing ich bei einer großen spanischen Versicherung an und bin mit meiner Dreisprachigkeit zuständig für die ausländischen Kunden.

 „Ich bin hier sehr glücklich, habe einen chilenischen Freund, der hier als Architekt gut im Geschäft ist, wir haben zusammen ein Haus. Aber ich besuche gerne meine Verwandten in Stuttgart und meine älteren Geschwister, die alle in Sachsen geblieben sind, weil sie dort verheiratet sind und ihre Arbeit haben. Ich bin die einzige unserer Familie, die ins Ausland gegangen ist.“

Das bemerkenswerteste Phänomen für uns Deutsche hier ‘unten’ am südöstlichen Zipfel Europas ist aber im Gegensatz zur alten Heimat: Wir haben keine Mauer in den Köpfen. Hier zählt nicht, woher einer kommt, sondern wie er hier zurechtkommt und sich integriert.

Fotos: Auswärtiges Amt


Oktober 2019

Gabriele Hefele

Was mir auffiel beim jüngsten Deutschlandbesuch

PRO

* Endlich wieder mal resche echte Brez´n!  Ach wie war das schön! Dass die hier keiner so hinbekommt, auch die angeblich deutschen Bäcker nicht? Und Mohnschnecken und Mohnschnitten mit Streusel! Gelten die hier in Spanien etwa als drogenverdächtig, weil kaum zu finden?! Ich muss dazu ergänzen, dass meine Vorfahren aus Schlesien kamen, wo diese Art der Mohnverwertung Tradition ist.

 

* Schön, dass es in Großstädten von Obdachlosen deren selbst erstellte Obdachlosenzeitungen gibt- musste mir gleich eine erwerben von diskreten Verkäufern. Das ist doch viel würdiger als Bettelnmüssen.

 

* Und jetzt kommt der große Clou: Ich wurde meine restlichen DMark in Höhe von 80 DM endlich würdig los! Ich schleppe diese Restscheine nämlich seit 2002 bei jedem Deutschlandaufenthalt mit im Geldbeutel in der Hoffnung, über irgendeine Landeszentralbank zu stolpern, was mir seit 17 Jahren nie gelang. Aber bei C&A - muss ich nun doch positiv als Firma erwähnen - in der Münchner Fußgängerzone hörte ich plötzlich eine Lautsprecherdurchsage, dass man hier als Gag mit der alten DM bezahlen konnte! Ich musste nun auch unbedingt was kaufen, hatte am Eingang aus den Augenwinkeln so einen plissierten Karorock gesehen mit passendem Blazer dazu: Also das musste nun her und ich mit meiner Beute zur Kasse.

Nun die drauf folgenden Dialoge. Die Kassiererin brummelte: " Ausgerechnet mir muss das passieren, ich bin doch gerade den ersten Tag hier!" Holte eine Kollegin: "Wie geht denn das? Zählt das als Fremdwährung?" . Während die Kollegin die Schritte am Bildschirm erklärte, beugte sich eine ältere Dame über meine ausgelegten Scheine: "Oh, darf ich die mal nur anfühlen -  nur so als Erinnerung!"

Ich habe nun endlich die 80 DMärker los, hingegen ein neues Kostüm, das ich nicht unbedingt brauche, wie Göttergatte eingedenk meines vollen Ankleide-zim-mers völlig überflüssig bemerkte, aber: die Hälfte, also der Rock, nahezu umsonst erworben aus meiner Sicht!

Überkommen Sie da auh Erinnerungen? Oder haben Sie gar noch so einen Schein aufbewahrt?

Foto: Deutsche Bundesbank

Oben zum Text im CONTRA: Das ist die große Papiertüte der Firma, die würde 25 Cent kosten. (Foto Gabriele Hefele)

CONTRA

* Eingedenk der Klimadiskussion wollten wir dieses Mal kein Auto mieten, sondern im Großraum München  mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das ist sauteuer!! Für eine einzelne Strecke vom Airport bis Holzkirchen zahlten wir pro Person 11,60€, also 23,20 zu zweit nach Adam Riese. Nur eine Fahrt, ohne Rückfahrtkarte! Diese kostete am nächsten Tag nach langen Berechnungen einer netten Dame 30.- € für 2 Personen. Ich las dann, dass ich für 16.-€ am Tag hätte einen Opel Corsa mieten können! Da wir aus dringenden familiären Gründen in München ausge-rechnet zur Oktoberfestzeit waren, hatten wir zum weit außerhalb liegenden Hotel einen 25minütigen Fuß-marsch. Was ja eigentlich der körperlichen Ertüch-tigung dienen sollte - aber mit Gepäck nahmen wir dann vom Zielbahnhof doch zusätzlich ein Taxi. Und als es an zwei Tagen schüttete wie bekloppt,  lieh uns mein Schwager sein Zweitauto, was irgendwie prakti-scher war. Wie wäre das gleich mit dem Opel für  gewesen? Und dann noch das Drama bei der Abreise:

 

* Wissen Sie, was ein SEV  ist? Schienen-Ersatz-Verkehr! Führt ab sofort bei mir zu einem Trauma. Die Hinfahrt Flughafen - München mit der S-Bahn ging wie gewohnt. Doch bei der Rückfahrt hieß es plötzlich: "Ab Ismaning bitte umsteigen auf Taxis und Busse des SEV bis zum Flughafen". Von da an war es aus mit angeblich guter deutscher Organisation: C H A O S!

Ich konnte noch im Untergrund einen Bediensteten fragen, woran ich diese Verkehrsmittel erkennen sollte - an den lila Schildern in den Fenstern, das war dann alles an Information. Oben auf dem Bahnhof keine Bahnangestellten, die die Leute einwiesen, auch kei-nerlei dieser Fahrzeuge zu sehen- die ganze Menge Flugreisender irrte mit ihren Bordkoffern  umher. Zum Glück hatten wir selbst ein großes Zeitpolster bis zum Abflug eingeplant, wurden noch nicht nervös aber immer ärgerlicher. Irgendwann fingen wir so einen kleinen Personenbus ab nach mindestens 4 vergeb-lichen Versuchen, stellten brav unsere Bordkoffer nach Einweisung des Fahrers in seinen Kofferraum und wollten vorne einsteigen - da wollte sich eine Frau mit 2 Kindern mitsamt Koffern  gleich hineinzwängen und hatte kein Verständnis, dass ich zusammen mit meinen Koffern im Kofferraum ins Taxi wollte. Aber das konnte ich noch zu unseren Gunsten klären.

Also so lange öffentliches Verkehrswesen so teuer, unpünktlich und nicht planbar ist - so lange wird das nichts mit dem Umsteigen vom Auto!

 

* Nur kleine Marginalie zum Abschluss: Da Regen und kälter als vorauszusehen, kaufte sich mein Mann ein paar warme Socken unterwegs in einem Kaufhaus. An diesem Tag hatte ich nur ein Bauchtäschchen dabei und brauchte leider dieses nicht vorhersehbaren  Ein-kaufs wegen eine Tüte, wollte aber keine Plastiktüte, sondern eine aus Papier, wie man sie nun auch in Spanien dankenswerterweise (und kostenlos!)  immer öfter erhält. Aber: So ein  windiges Papiertütchen kostet nun 15 Cent in Deutschland! Ein größeres 25 Cent! Normalerweise gehe ich ja hier nie ohne meine  Einkaufstaschen aus dem Haus - aber auf Reisen? So musste ab sofort der Schmutzwäschebeutel für eventuelle Spontaneinkäufe herhalten...

(Okay, in Spanien lehne ich im Durchschnitt 3mal am Tag die kostenlose Gabe eines Plastikbeutels empört ab, da gibt´s schon noch Unterschiede).



September 2019

Gabriele Hefele

Wir Deutschen im Ausland und unsere Oktoberfeste

Wussten Sie, dass außerhalb des Münchner Originals mehr als 2000 Oktoberfeste mittlerweile in aller Welt veranstaltet werden?

 

Also wenn schon Oktoberfest, dann aber stilecht!

 

Übrigens lieben auch die Spanier unsere "Bierfeste" - der Andalusier zum Beispiel trinkt eh mehr Bier als Wein - und sind entzückt, wenn wir dazu wieder unsere Dirndl und Lederhosen ausführen!

 

 

 

 

 

 

Foto: Wolfgang Franz

Vereinsgründungen, Stammtische, deutsches Fernsehen, teuer eingeführter Weihnachtsbaum und vor allem auch Oktoberfeste überall – oft sind Auswanderer deutscher als in Deutschland, könnte man den Eindruck gewinnen. Okay, dass zu Weihnachten auch hart gesottene und gut integrierte Auswanderer in der neuen Heimat die Nostalgie oder gar das Heimweh packt, diese Erfahrung machen wir wohl alle mehr oder minder heftig.

 Nun aber gehört auch immer mehr das Oktoberfest zu den jährlich wiederkehrenden Ritualen - nicht nur für Residenten!

 Die Spanier lieben unser „Bierfest“

 Seit Jahren fällt in Spanien auf, dass besonders viele Oktoberfeste allerorten mit eingeflogenen Weisswürsten und Brez´ n von dortigen deutschen Bäckern, Besuchern in Dirndl und Lederhose (sehr bewundert von den Einheimischen), und Marschmusikkapellen organisiert wurden. Oft nicht einmal von echten Münchnern, sondern von Berlinern und Düsseldorfern. Und sie erhalten durch die Bank eine große Presse und gute Kritiken von begeisterten Einheimischen, von Andalusien bis Brasilien!

 Ja, da sitzen nun an den Bierbänken einträchtig alte und neue Bewohner fröhlich zusammen.

 Und ist das nicht eine gute Möglichkeit zur natürlichen Integration im Ausland und doch die Nabelschnur zur alten Heimat nicht abzuschneiden?

 

p.s. Und bitte, wenn im Dirndl, dann auch im Ausland nicht im "Disco"-Look, richtig gehört es sich so:

https://pagewizz.com/das-echte-dirndl-und-das-richtige-zubehor-36068/


Sommer 2019

Gabriele Hefele

Plädoyer für Märkte und Rastros

Ich oute mich jetzt: Ich liebe die vielen malerischen Rastros, Flohmärkte, Wochenmärkte, Bauernmärkte, Sommermärkte, mercados medievales und artesalesanales und dergleichen mehr. Wo nur ein Markt ist oder ich zufällig einen sehe - da muss ich hin!

Fotos oben: Links der Wochenmarkt von Casares - rechts der überregional bekannte Sonntagsflohmarkt von Sabinillas (Fotos. Gabriele Hefele, Ayunatmiento Manilva)

 

Ich glaube, mit diesem Virus wurde ich schon in der Kindheit angesteckt, als es gegenüber unserem Wohnhaus die Altöttinger Dult gab, an die immer ein großer Flohmarkt angeschlossen war.  Meist nahm mich auch meine Mutter mit zu ihren Streifzügen nach altem Porzellan auf allen möglichen Flohmärkten, und ich erhielt dann immer das eine oder andere Geschenk nebenbei dort, damit ich auch ruhig mit ihr mitging.

 

Anti-Diebstahls-Ratschläge

Später haben Mutti und ich gerne miteinander ausgedehnte Streifzüge unternommen vom großen Stoffmarkt in Bozen, dem Donnerstagsmarkt im ligurischen Diano Marina am Hafen bis zu unserem großen Lieblingsmarkt in La Linea. Bei letzterem musste sie mich auch einmal zur Polizei begleiten wegen einer Anzeige zwecks Diebstahl meines Geldbeutels dort aus meiner Tasche. Und ich konnte mir mit weiteren auch vielen spanischen Damen in der Warteschlange Muttis Vorwürfe und Ratschläge einer erfahrenen Marktgängerin anhören:

  • dass man gefälligst nicht seine Tasche abstellt und damit aus den Augen lässt, um ein T-Shirt anzuprobieren,
  • Und dass ich halt in Zukunft wie sie lieber eine Handtasche mit mehreren Reißverschlussfächern mitnehmen solle. (Kleines Happyend übrigens: nach einer Woche rief mich ein älterer Mann an, der meinen Geldbeutel ohne Geld aber mit den Papieren wie Führerschein und Scheckkarten etc. in einem Abfallkübel gefunden hatte. Da hatte ich zwar längst alles gesperrt und neu beantragt, aber er bekam dennoch 50 € Finderlohn, denn allein an dem Portemonnaie hing ich!).

Der Markt - beliebter Treffpunkt

Der Freitagswochenmarkt meines Pueblos mutiert regelmäßig zum wöchentlichen Treffpunkt mit drei Freundinnen, mit anschließendem Drink an der Bar oder auch ausgiebigem Tapasessen. Doch zuvor muss ich mir einen Buschen wilden, grünen Spargels vom Bauern aus dem Nachbardorf mitnehmen, einen Sack mit fünf Kilo Saftorangen dazu, den eigenen Honig eines Fincabesitzers aus Alhaurin und das Olivenöl vom Bioanbieter. Dazu ein Schwätzchen, wie es seinem Sohn gehe und meinen Pferden. Dann gibt es noch etwas ältere Mohrrüben kostenlos für letztere.

   So ein Bummel über die Märkte gehört auch unbedingt zum Urlaub im Ausland, was den Flair, den Unterhaltungswert und die ergiebigen Fischzüge angeht. Da lassen sich für fünf Euro elegante bis kitschige Fächer als immer beliebtes Souvenir erwerben, Modeschmuck für die Freundin als Mitbrinsel für drei Euro und für den oft maulenden Gatten (den man eigentlich wie bei jedem Shopping lieber an der nächsten Bar abstellen sollte) einen marokkanischen Ledergürtel.

Und klar, unter uns: Finger weg von chinesischen Marken-Fakes!

 

Übrigens, wir schauen ja immer auch zur Algarve rüber, und da hat Kollegin Sabine Kranich einen wunderbaren und ausführlichen  Artikel zum "Marktsonntag an der Algarve" hier geschrieben:

https://pagewizz.com/markt-sonntag-in-der-algarve


 

Januar 2019

Jürgen Brauerhoch

Wie kann man die Katalanen begreifen?

Am ehesten im Restaurant

Katalonien, die Region im nordöstlichsten Zipfel Spaniens, ist durch die immer massiver werdenden Bestrebungen der Katalanen, unabhängig von Spanien zu werden, plötzlich zum Favoriten der Medien geworden. Man diskutiert, reportiert und rätselt herum, was das wohl für Menschen sind,  diese eigensinnigen Katalanen mit ihrem höchsten Lebenstandard von ganz Spanien, die trotz und alledem gerade keine Spanier sein zu wollen.

 

Wie ist das zu verstehen?   Aus meiner Erfahrung  letzten Endes nur beim Essen und Trinken, also im Restaurant! Schon Erich Kästner empfahl: "Toren  besuchen im fremden Land die Museen,  Weise gehen in die Taverne."

Genau das ist im Falle Katalonien unbedingt zu empfehlen, wobei dies anfangs ein Abenteuer ist.  Das fängt schon damit an, dass Sie mittags vor 13 Uhr und abends vor 20 Uhr glatt verhungern können, denn früher gibt es in ganz Spanien und in diesem Falle auch in Katalonien nichts zu essen, es sei denn kleine Tapas in Bars und Pinten, aber die sind überall in Zentralspanien, speziell im Baskenland - dort pinxos genannt -   bei weitem besser als in Katalonien.

Nun zur Platzwahl : Undenkbar,  dass Sie sich an wie z.B. in einem Münchner Biergarten einfach zu anderen an einen Tisch  setzen können. Sie müssen warten, oftmals in der Schlange, bis Ihnen ein Tisch ein Platz angewiesen wird,  was ja auch in etlichen anderen Ländern üblich ist. Wenn Sie Glück haben, sitzen Sie nicht gerade unter einem selbst bei kühlem Wetter wild um sich fauchenden Ventilator oder einem riesengroß an die Wand geschraubten lärmenden Fernseher, letzerem in fast allen  volkstümlichen" Lokalen, seltener in der "gehobenen" Gastronomie.

CATALÁ ODER CASTELLANO?

Aber gerade die beliebten Gasthäuser der Einheimischen brauchen Sie für Ihre weiteren Studien, denn jetzt beginnt  eigentlich Abenteuer: der Blick in die Speisekarte, in der alles groß und fett gesetzt ist in CATALA (also in katalanischer Sprache) und mickrig mager in Castellano (also  hoch-spanischer Sprache) neben vielleicht noch English, Francais und neuerdings auch Russisch, aber kaum je Deutsch, obwohl das die Mehrzahl der Feriengäste an der Costa brava sprechen! Bei solchen "polyglotten" Speisekarten muss man schon vorsichtig  sein, ob hier wirklich die authentische katalanische Küche aufgetischt wird, wie sie die Einheimischen schätzen, nämlich qualitätsbewußt und eigensinnig!

In Katalonien selbst in kleinen Nestern gibt es Gasthäuser, in denen die Katalanen meist familien- oder gruppenweise einfallen mit Dutzenden hungriger Mäuler und die sich oft über Stunden hinziehenden Mahlzeiten mit einem CAVA beginnen.

Beim Bestellen der Speisen und Getränke lohnt es sich für den Fremden in mehrfacher Hinsicht,  ein paar Brocken CATALA gelernt und "in petto" zu haben; denn erstens wird man ganz offensichtlich charmanter bedient, wenn man statt buenas dias BON DIA sagt, statt por favor  SI US PLAU und statt bogavante LLAgosta (Hummer).   Was in der Nähe des Meeres, aber auch im Inland auf  keiner Karte fehlt, ist Fisch und  hier vor allem BACALAO, bei uns nordisch Kabeljau genannt; ihn gibt es in allen Varianten mit seinem blütend weißen, schuppigen Fleisch:  gebraten, gedünstet, gekocht, gebraten, marinat oder gar in einer Schokoladensoße - der Liebling aller Katalanen!

  Ein bisschen Küchensprache

Mit dem BACCALAO oder auch den  MANDONGUILLES AM SIPIA (also den in ganz Spanien beliebten Albondigas) sind Sie einer Entdeckung ganz nahe gekomen, die vor einiger Zeit vife Restaurantkritiker wie Wolfram Siebeck gemacht und an die große Glocke hängten, dass nämlich die Basisphilosphie der katalanischen heißt ganz einfach:  mar i montanya. Das Geheimnis der katalanischen Kochkunst:  die beinahe frivole Mischung von salzig und süß, von Fisch und Fleisch (mare i montana), von Sachen, die anscheinend überhaupt nicht zusammen passen, aber speziell  zum kreativen Umgang mit Produkten und Gewürzen ermutigen.

Ein wohlschmeckendes Beispiel ist der AROZ NEGRE, ein in Tintenfischblut gebadeter, schornsteinfeger-schwarzer Reis, der in einem Sud mit  furchterregendem Meeresgetier und etwas Speck oder Fleischstücken endlos gekocht , aber immer noch körnig und gut gewürzt auf den Tisch kommt, so wie die Katalanen alles verehren, was im Meer herumkrebst, muschelt und sticht; selbst den hundsgemein stacheligen Seeigeln gehen sie mit Spezialmessern zuleibe, schlitzen sie auf und schlecken sie aus.

Was haben wir bisher über  die Katalanen gelernt?  Sie essen gern und gern auswärts und stundenlang in Gesellschaft, sie trinken gern zum Essen, aber nie "über den Durst",  schrecken nicht vor weniger dekorativen Speisen zurück und arbeiten sich bei absehbaren Lustgewinn auch klaglos  durch ein Gericht hindurch,  Beispiel CARAGOLS. Das sind diese Schleimer, althochdeutsch snahhan, also lautmalerisch auch schon beinahe Schnecken, zu denen Katalanen eine fast abgöttische Liebe zu entwickeln scheinen.  Und  das nicht nur im Lokal, sondern auch zuhause; denn kaum hat es ein paar Tropfen geregnet, sieht man am Straßenrand Scharen von Schneckensammlern,  denen die Nähe zu Stickoxyd genauso egal ist wie den Cargols selber.

 

p.s. Anm. d. Redaktion: Bis auf die  Sprache gelten die geschilderten Gewohnheiten übrigens für ganz Spanien und seine Küche!

 


Kann man sich noch guten Gewissens als Deutsche/r outen?

Oktober 2018

Gabriele Hefele

Ich erinnere mich noch gut an den Mauerfall 1989, den wir im Urlaub in Italien erlebten: Ich war damals stolz darauf, Deutsche zu sein, denn erstmal gelang es uns Deutschen, oder zumindest einem Teil,  eine friedliche Revolution mit Erfolg durchzuführen! Unsere italienischen Freunde gratulierten uns, bewunderten uns damals sowieso für - man stelle sich vor! - wegen  unseres guten Gesundheitswesens, Michael Schumachers und unserer Fußballer, die ein Jahr später sogar in Italien Fußballweltmeister wurden.

10 Jahre später wanderten wir nach Spanien aus, wurden dort freudig begrüßt und sofort akzeptiert. Die Einheimischen korrigierten mich, wenn ich von "auswandern" sprach, und sagten: ´Wir wären doch als Europäer nur umgezogen´. Auch damals galt immer noch Michael Schumacher viel, und unser spanischer Architekt lobte die deutsche Sprache als wissenschaftlich exakteste Sprache.

 Und dann kam der deutsche Spar-Zeigefinger

Dann aber kam die Weltwirtschaftskrise und mit ihr der von mir beobachtete  "Merkel-(auch Schäuble)-Malus" wegen derer strikter Sparkurse für südliche Länder, und das mit deutlich erhobenem deutschen Zeigefinger! In der Zeit begann ich hier in Andalusien mehr zu betonen , dass ich ja aus Bayern komme und dies bedeute vielmehr so etwas wie deutsche Andalusierin zu sein aufgrund unserer vielen Parallelen: genauso viele Feiertage - große (Bier)feste und die Einstellung "leben und leben lassen". Damit verursachte ich regelmäßig Begeisterungsstürme bei "unseren" Andalusiern, zusätzlich auch, weil ich wie sie die abspaltungswilligen Katalanen bekloppt fand. Schilderte ich auch in meinem Longseller: "Mein andalusischer Gärtner".

Zwischenzeitlich, nämlich 2015, liebten die Spanier Merkel und die Deutschen wieder, weil sie ja die Flüchtlingsströme auf sich zogen, und damit weniger Flüchtlinge in Spanien landeten. Kurz und zwischenzeitlich.

Und heute?

Heute verschweige ich immer mehr, dass ich einen deutschen Pass habe oder aus Bayern komme, noch dazu nahe der österreichischen Grenze, auch, wenn man den Akzent sicher noch hört. Denn Rechtsruck in Deutschland - in Spanien kennt man ja eigentlich mehr den Linksruck - ein dement wirkender unberechenbarer deutscher Innenminister und Korruptionen durch Autofirmen oder qua Macht von unfähigen Wendepolitikern:  Das kriegen sie durch die Medien allemal mit hier.

Also was bin ich nun: eher Europäerin? Kriegt auch immer mehr so einen Beigeschmack. Doch mehr Andalusierin inzwischen? Nee, dazu sind mir die hiesigen Politiker/innen auch zu korrupt, da reichen auch meine Sevillana-Tanzkenntnisse  und mein zunehmender Fatalismus allein nicht!

Leute, ich lebe zur Zeit in einem Identitätsdilemma. Und wie geht es Euch damit?

 

schreibt uns unter  redaktion@equideas.es oder auf unserer Facebookseite:

https://www.facebook.com/onlinemagazinspanien/

 

p.s. Kürzlich erst der Kommentar meines Gatten: "Ich ziehe so lange keinen Trachtenjanker mehr an, bis der Seehofer endlich von seinem Posten als Innenminister zurückgeteten ist!" Denn bisher haben wir den Andalusiern immer in Kurzfassung erklärt, dass die Bayern die Andalusier unter den Deutschen wären(s.o.) - aber zur Zeit muss man sich ja auch als Bayer schämen, oder?

Illustration m freundl. Genehmigung aus Langenscheidt Spansich-Comics Grammatik, 2007, leider vergriffen. 


April 2018

Gabriele Hefele

Costa del Sol - keine gute Adresse für Urlaub mit Kindern?

 

Bisher hatten wir Gäste und Besucher in unserem Alter, und wenn deren „Kinder“ kamen, dann auch bereits im Erwachsenenalter. Doch neulich, in der vergangenen Semana Santa kamen Reiterfreunde mit Kindern im Alter von 5 und 8 Jahren - und da kamen wir aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus!

 

Einen Märzurlaub empfehle ich sonst „wärmstens“ für einen Besuch bei uns, also Erwachsenen, mit denen ich Ausflüge nach Jimena de la Frontera, nach Cadiz, Medina Sidonia oder Casares mit jeweils meinen Geheimtipps unter anderem zu nichttouristischen Gastronomie-Erlebnissen, die bisher immer bestens ankamen.

Aber dieser Märzurlaub bot meiner Familie bei zehn Tagen nur die Hälfte wärmerer Frühlingstage ohne Regen oder kalten Wind. Erste Frage der Familie, die ein Ferientownhaus gemietet hatte in Estepona: „Wo gibt es denn hier ein Hallenbad, bei dem wir mit Kindern baden können?“ Deprimierendes Ergebnis:

  •  In Estepona plant man erst eines – in Manilva gibt es ein Sportbad seit neuestem, aber da dürfen Kinder unter 14 Jahren gar nicht rein – im benachbarten Wellnessresort ist es für Kinder überhaupt verboten – im gegenüberliegenden 5-Sterne-Hotel nur von 8-9 Uhr und dann kostet es 78 Euro für den Erwachsenen und 50 für Kinder. Wir gaben alle auf bei diesem „Angebot“. Die norddeutsch abgehärteten Kids wagten sich dennoch einmal in die kalte Mittelmeerflut und ein andermal ins auch kaum wärmere Schwefelbad der Römer von Manilva, das übrigens begeisterte.
  • Fairerweise blieb noch Ponyreiten des älteren Mädchens in der Escuela de Arte Ecuestre, die ja eine wunderbare, auch gelobte Halle besitzen. In der Gruppe reiten kostete 38 Euro die Stunde, leider gaben sie dem Mädchen ein zunächst zu großes Pony mit etwas "eigenem" Charakter, das gleich buckelte und es abwarf. Erst im zweiten Versuch mit einem kleineren Pony ging es besser und vor allem dann an einem Privatstall der Finca Siesta, muss man fairerweise sagen.

  •  An einem Nicht-Regentag empfahl ich natürlich den Selwopark, der war ihnen aber mit 90 (!) Euro für 4 Personen zu teuer; unser Angestellter übrigens mit einer 3- und einem 7Jährigen bestätigte außerdem, dass bei jedem seiner Besuche sich das zu besichtigende Terrain verringert, die Preise aber erhöht hätten.
  • Burgbesichtigung in Jimena wollte ich dennoch mit ihnen durchführen, aber eine/r hatte Höhenangst auf diesen Besichtigungspfaden oben auf dem Castillo, die wollten alle schnell wieder runter. Heimische Küche im Hinterland war auch nicht gefragt, da disponierte ich schnell auf einen Chiringuito am Strand um, damit die Mädchen wenigstens zum Großteil mit Muschelsuchen beschäftigt waren, während wir Erwachsenen uns mal unterhalten wollten.

  •  Das Orchideenhaus empfahl ich ihnen gleich gar nicht, da standen auch andere erwachsene Besucher unverrichteterdinge vor diesem propagierten Highlight, da geschlossen. Apropos geschlossen: Unsere Gästemama hatte per Internet einen Jump-Park in San Pedro ausfindig gemacht mit angeblich kommodem Preis und Öffnungszeiten: Als sie hinkamen: geschlossen – ohne Angaben von Gründen!

Oben von links nach rechts: Die Schwefelquellen zwischen Manilva und Casares, baños de la hedionda, waren ein Erfolg bei den Kids, die Burgbesichtigung von Jimena de la Frontera weniger. Fotos: B. Werremeyer)

 

Können sie sich unsere Verzweiflung vorstellen? Bleibt hier nur die Empfehlung für Besuch in der Hochsaison, weil dann alle am Strand abgestellt werden können und sonst nichts? Oder bisschen shoppen (mit einer allerdings engelsgleichen Geduldsverkäuferin im Kinderschuhgeschäft) und Eisessen bei Paola? Denn eine Semana-Santa-Prozession kann man ja Kindern auch nicht gerade empfehlen, nicht nur dass man sich das Hinterteil dabei abfriert, sondern dass auch Geduld dabei verlangt wird, etwas,  was man bei 5-8Jährigen eben vergebens sucht.

 

Die Folge: Wir sind tatsächlich eine Rentner- und Pensionistenküste, Costa del Golf oder eben: Europas größtes, wenn auch schönstes und teuerstes Altersheim.

 


Gabriele Hefele

Was mich aufregt

Laut Statistik sind seit mindestens Mitte Februar unsere guten Vorsätze in Schall und Rauch aufgegangen. Ich selbst habe seit Jahren aufgegeben, Vorsätze zu befolgen, aber es gibt Sachen, die mich aufregen oder ärgern.

Gut, man weiß ich bin Facebooknutzerin. Dieses Onlinemagazin für Spanien hat übrigens auch eine Facebookseite unter: Onlinemagazin Spanien. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Dort regen mich folgende Fotografiersuchten auf:

  1. Essensfotos, meist von Laien und Amateuren: 80 Prozent ungelogen, mindestens, sehen eher aus wie ausgek..., pardon. Muss jeder wirklich sein Mittagessen oder Restaurantmenü der Menschheit mitteilen? Ich bestreike dies selbst (bis auf 2 Ausnahmen zu Marmelade und einem Feigenkuchen).
  2. Seit letztem Sommer sind Zehen-Selfies irgendwie in Mode gekommen, fängt jetzt zum Frühling schon wieder an. Auch hier gebe ich zu bedenken, dass es wenige richtig schöne Füße auf diesen Fotos gibt, die ästhetischem Anspruch genügen. Auch hier mindestens 80 Prozent, die keine Veröffentlichung verdienen!
  3. Schrecklich sind dort die Unmengen an pseudophilosopsch, esoterisch angehauchten banalen Sinnsprüchen, die sich mehr oder weniger anscheinend an frustrierte Singles richten - siehe Foto. Sie müllen oft wirklich das ganze Internet voll.
  4. Außerhalb Facebook:  Seit wann gibt es keine T-Shirts, Sweatshirts  und Pullis mehr mit ordentlich hoch geschlossenem Halsausschnitt? Wozu lange Ärmel und dann ein weiter Ausschnitt, so dass ich im Winter ein altes T-Shirt oder Rollkragenpulli darunter anziehen muss. Ist das perverse Stoffsparsamkeit oder Mode-Ausrede?

Na, das reicht für heute, sonst steigt mein Blutdruck zu hoch!

 

Anmerkung zu den Fotos: ich veröffentliche in dem Fall ausnahmsweise nicht die Urheber, um sie nicht an den Pranger zu stellen.


Politisch heißer Sommerbeginn 2018

Rajoy stürzt über Misstrauensvotum - Pedro Sanchez von der PSOE neuer Ministerpräsident

 

86 Prozent der spanischen Bevölkerung werden Mariano Rajoy keine Träne nachweinen - das war  nämlich nach einer letzten Umfrage das  Ergebnis, nach dem die Bevölkerung  die Arbeit des nun Ex-Ministerpräsidenten vernichtend beurteilte. Die mit einer Stimmenmehrheit von nur 11 Zählern nach dem Misstrauensvotum - dem ersten in der demokratischen Geschichte Spaniens -  erzielte Mehrheit im Parlament für die Abwahl  Rajoys aufgrund der "Gürtel"-Korruptionsaffäre seiner Partei, der PP, gibt die Stimmung im Land also nur ungenügend wider.

3 Anläufe für 2. Amtszeit und nun verjagt

Erinnern wir uns: Drei Anläufe, also dreimal hintereinander mit all den immensen Kosten wählen ließ Rajoy in 2015/2016 , bis er endlich mit einer knappen Mehrheit und der Hilfe der Ciududano und der alten Franquisten seine zweite Amtszeit antreten konnte, die nun jäh endete. Er selbst rechnet sich die minimale wirtschaftliche Verbesserung, die das Gros der Bevölkerung und vor allem die vielen arbeitslosen Jugendlichen kaum erreichte,  persönlich zu nach sechs Jahren Wirkungzeit. Doch vergleicht man mit Portugal, dem sonst immer ärmeren Bruder,  und zieht man die überhaupt anziehende Weltwirtschaft nach der Krise 2008 ab, dann gibt es nicht viel, was Spanien ihm verdanken  kann, im Gegenteil!

Aus Residentensicht ist er verantwortlich für unsinnige Gesetze:

  1. da kam das Modell 720, nachdem jeder hier lebende Ausländer mit Haupwohnsitz  alle seine Vermögenswerte in allen Ländern angeben und versteuern musste - auch, wenn man dies längst im betreffenden Land (Beispiel Immobilien) tat: angeblich wollte er damit die Schwarzgeldflut eindämmen. Das Ergebnis: nicht nur ein Bürokratieungetüm mit unrealistischen Terminen, sondern viele Ausländer, vor allem auch Engländer, eine der Hauptresidentengruppen, verließen das Land. Heute könnte man sagen: Da hat einer wohl von sich auf andere geschlossen...
  2. Ein Gesetz zur "Bestrafung" (!) von Solarenergie, die die großen Energiekonzerne für entgangenen Umsatz ent-, Benutzer von Fotovoltaik aber beschädigte. Weiteres Ergebnis: Firmen-Pleiten von spanischen Herstellern von Solarzellen und Landwirtschaftsbereichen, die damit z.B.  ihre Felder bewässerten, dazu aber Kredite aufgenommen hatten, die ihnen dann Schwierigkeiten bereiteten durch die Abgaben beispielsweise an Iberdrola oder Endesa, von denen bei Hypothekenabschluss nicht die Rede war!

Ach ja, warten wir einmal ab, nach welcher Zeit M.R. einen Posten bei einer dieser Gesellschaften angeboten erhält?

 Wünsche für die Zukunft:

Was ich mir von Pedro Sanchez erhoffe:

  • keine unsinnigen Gesetze mehr oder vielleicht auch Korrektur der oben beschriebenen,
  • Taten vor allem gegen die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen,
  • einenen besonneneren und diplomatischeren Umgang mit Katalonien, denn auch da hat Rajoy unverantwortlicherweise viel Porzellan zerschlagen!
  • Ach ja:  weniger Korruption - vielleicht.

Gabriele Hefele


 

Jürgen Brauerhoch

Mein neues Leben mit dem Rollator

Seit an die Stelle von Flugzeug, Auto und Eisenbahn der ROLLATOR als einziges Fortbewegungsmittel getreten - oder besser,  geschoben worden ist, hat sich das Panorama der Sehenswürdigkeiten zwar grandios verringert, aber in seinen kleinteiligen Dimensionen ist es noch immer interessant!

Das fängt schon damit an, daß es mit dem Rollator, der brav vor meiner Terrassentür parkt, zwei verschiedene Touren gibt, für die man sich vor der eigentlichen "Abfahrt" entscheiden muß, nämlich links herum oder rechts herum...

 Beginnt man das übrigens recht schmucke Gerät nach links zu bewegen, geht es zunächst an dem üppig wachsenden Zitronenbaum vorbei, der wieder gut angesetzt hat. Nach einer Engstelle, die man ohne Schrammen zu passieren versucht, taucht rechter Hand die von ihren vielen allerersten Früchten total erschöpfte junge Birne auf-- vis-a-vis der klobigen Rasenmähmaschine im Unterstand. Nach einer scharfen Linkskurve weitet sich der Blick auf die gestaffelten Gemüsefelder, aus denen ab und zu knallrote Tomaten leuchten. Hoch- und Niederbeete hat in diesem schwierigen Jahr Ulrike total im Griff, pflanzt, unkrautet und wässert liebevoll und freut sich königlich, wenn es wieder was zu ernten gibt.

Mal links, mal rechts herum

 Jetzt muß man eine enge Gasse entlang fahren, links die Werkstatt, rechts die Botanik mit Tomaten, Basilikum, Petersilie und in der knallen Sonne inzwischen steinhartem Schnittlauch. An der nächsten Biegung eine neue Sensation: drei kleine Zucchini-Pflänzchen haben peu-a-peu ein Riesenterrain erobert, den dort seßhaften Salbeistrauch in die Ecke getrieben und bei dieser unglaublichen Expansion nicht vergessen, herrlich tiefgelb zu blühen und Früchte zu liefern, so groß. daß man sie kaum mehr bewegen kann! Mit der wuchernden Zucchini-Plantage konkuriert der ebenfalls wuchernde kleine "Wein-Berg" mit wohl dieses Jahr nur vereinzelten Trau-ben, dafür aber viel Laub;und ist man an diesen Wundern der Natur vorbei, öffnet sich nach einer weiteren Engstelle, dem eigentlich überflüssigen Vendellschen Backofen-Pass, der leider nicht besonders repräsen-tative Hauseingangsbereich, den zwei gefährlich aussehende, aber friedliche Kakteen flankieren. Neuerdings steht hier mein Austragsstuhl zum Schaun und Meditieren. 

Über Wiese und Natursteinboden gerubbelt

Unser Refugio, die Feigenstraße Numero 57, wird aber stärker als von den Eingangs-Agaven von Ulrikes Schubkarren-Armada akzentuiert und von einem inzwichen beachtlichen  Baum-Duo, der stattlichen Linde (oder Buche?) einerseits und der wunderbar geradezu toscanisch in den Himmel gewachsenen Zypresse anderseits. In ihrer natürlichen Schönheit und Prägnanz machen sie wett, was dem etwas verspießerten Hauseingang  an Stil und Charme abgeht. Und wir fahren weiter über die ausgedörrte Wiese - selbst das "packt" der Rollator ! - zur verrückt gewordenen Opunzie, die innerhalb weniger Wochen über ein Dutzend Triebe produziert hat, die ungeheuer farbenprächtig auf- aber ganz schnell auch wieder ver-blühen. Im hier fast ständig wehenden Wind wackelt sie verdächtig mit ihren stacheligen Ohren, während neben ihr die Fächerpalme schnurrt und schnattert und raschelt und rauscht, aber nicht einmal durch stürmischen Wind den Lebensmut verliert.

   Nun aber weiter rolliert auf rubbelndem Natursteinboden, vorbei an den Mineralwasser-Depots zur ursprünglich einzigen Terrasse des Hauses, die aber anscheinend ohne Wissen um die Tramontana geplant wurde, nämlich nach West-Nordwest, von wo diese wilden Winde einfallen!  Hier bewundern wir Ulrikes rund um die Terrasse  angelegte  fünffache Topfpflanzengarnierung und die keusch über der Grillanlage wachende tönerne Jungfrau, die immer noch nackert, aber von Wind und Wetter etwas mitgenommen, in die Gegend schaut.

Von hier ist es nicht mehr weit zum Rollator-Parkplatz direkt vor meinem "Büro" und damit ist die ROLL-A-TOUR linksrum beendet. Und wie gehts rechtsrum?  GENAU UMGEKEHRT!  

 

 


Gabriele Hefele

Und man gewöhnt sich doch ...

... an die andalusichen Eigenheiten. Die Einheimischen nennen es beschönigend "Improvisation", aber - , na, erst einmal zum jüngsten Tatbestand.

Eine Gala stand vor der Tür, die Feiertage drohen, also war wieder einmal dringender Frisörbesuch angesagt am Vormittag der Gala, in vorletzter Minute sozusagen. Ich direkt überpünktlich um 10.30 Uhr bei der Friseuse angekommen, sitze vor der Waschschüssel: kein Tropfen Wasser kommt! Also Frisuerbesuch ohne Kopfwäsche geht ja irgendwie schlecht! Die Chefin telefoniert und telefoniert - für meine Begriffe direkt ruhig! - mit dem Installateur, der Urbanisationsverwaltung, der Gemeinde - ich sitze derweil hintüber gebeugt.  Dann die Hiobsbotschaft: In der ganzen Gemeinde gäbe es keinen Tropfen Wasser, irgendeine allumfassende Havarie. Aber in einer halben Stunde würde das behoben werden.

Wenn das Wasser weg bleibt

Okay, ich setze mich auf, streife das Handtuch herunter und vereinbare mit der Friseuse, dass ich erstmal zur Bank und auf den Wochenmarkt gehe. Da ich andalusische halbe Stunden kenne, komme ich erst nach einer andalusischen Dreiviertelstunde zurück, setze mich wieder in Positur, Friseuse versucht ihr Glück: kaltes Wasser nur tröpfchenweise: Nun bringt sie es fertig und wäscht mir den Kopf mit kaltem Wasser, im Winter, der auch hier nur 12 Grad hat: Ich schreie auf: "Das ist Folter, Marisol!". Sie: "Ich kann dann wenigstens wickeln" - ich muss dazu sagen, ich hatte mich auch noch zu einer Stützwelle entschieden, da muss man ja mindestens 3mal Kopf waschen! - "und setze Dich gleich unter den Wärmestrahler."  Gesagt, getan.

 Als die Wickler raus sollen und der Kopf wieder unters Spülwasser, da hat sie es wenigstens mit dem Wasserkocher erwärmt! Wieder etliche Anrufe von ihr, der Installateur rauscht durch den Salon und wieder zurück, die Gemeinde meint, jetzt käme aber wirklich bald, in einer Stunde circa, das Wasser und die Verwaltung, dann liefe auch der Warmwasserboiler wieder...

Ich sage ihr voraus, wie ich das Land hier kenne, käme dann um 13.30 Uhr das Wasser, ähnlich wie bei Stromausfällen: Dann nämlich muss die andalusische Mama - mit der es sich keiner verderben will! -  kochen für ihren Hombre, der um 14.00 Uhr das Mittagessen auf dem Tisch haben will. Und genauso kam es: Punkt eine halbe Stunde vor Mittags- und Siestazeit floss warmes und kaltes Wasser aus den Hähnen und meine Haarprozedur konnte fortgesetzt werden.

Oben: Das Ergebnis des Friseurbesuchs bei Wassermangel

Meine neue andalusische Gelassenheit

Tja, ich habe mich selbst über mich gewundert: In Deutschland hätte ich einen Skandal gemacht, rumgebrüllt im Salon, wäre zu einem anderen Friseur gegangen! Aber nach fast nun 17 Jahren in Andalusien habe ich mich gar nicht aufgeregt, Mode- und Dekorationszeitschriften jede Menge durchgeblättert, sodass ich mit spanischem VIP-Klatsch wieder auf dem laufenden bin. Wie sagt der Einheimische: "No hay mal que por bien no venga" - nichts Schlimmes, was nicht auch sein Gutes hätte. Nur Göttergatte war etwas mieser Laune, da sein Mittagessen erst gegen 1/2 vier Uhr nachmittags bereit war. Aber der sollte sich an meiner neuen Gelassenheit ein Beispiel nehmen!


 

Gabriele Hefele

Von Machos zu Machos oder: überall nur kleine Trumps?

Immer wieder geht es um Katalonien

 

Bin ich nach Spanien, genauer gesagt, ins sonnige Andalusien, ausgewandert, um hier in eine Art neuen Bürgerkrieg zu geraten? Diese Ängste stellen sich ein, wenn man die jetzige "Politik" oder was sie dafür halten, in Spanien betrachtet. Eigentlich ist weiter unten zur Situation der Katalanen - bei allem Verstäandnis für ihr Franco-Trauma - schon alles gesagt. Doch jetzt eskaliert die Situation, weil auf beiden Seiten - Puigdemont auf der einen, Rajoy auf der anderen, zwei Alphatiere (oder eher Männer mit überspielten Komplexen??) - aneinander geraten.

 Man hätte gelassen abstimmen lassen können wie immer, denn eine, wenn auch knappe Mehrheit ist meist für den Verbleib bei Spanien. Aber Rajoy war dumm (hat er sich Trump zum Vorbild genommen?) und schickte die Guardia civil, so erhärten sich die Fronten. Wissen muss man, dass Rajoy sich schon deswegen an die Macht mit der damit verbundenen Immunität klammert, weil er sonst in den Korruptionsprozessen angreifbarer wäre...

Vom König hätte ich auch mehr "Diplomatie" erwartet, da fehlt mir in dieser politischen Hinsicht Exkönig Juan Carlos, der nach dem Tod von Franco eingesetzt, als erstes mit Sofia nach Barcelona reiste und dort in katalanischer Sprache (!) für Unterstützung auf seinem Weg zur Demokratie warb. Warum hat Felipe sich nicht mit seinem Vater vorher beraten?

Hass in allen Regionen?

Auf der anderen Seite erschrecken mich auch Reaktionen "meiner" Andalusier hier:

  • Da werden ausrückende Guardia-Civil-Leute aufgehetzt gegen den Norden, ein Benehmen wie Hooligans beim Fußball.
  • Apropos Fußball: Nationalspieler Pique aus Barcelona, der für "Si" stimmte nach eigener öffentlicher Aussage, wird ausgebuht und belästigt, so dass das Training der spanischen Nationalmannschaft abgebrochen werden musste. 
  • Mein Sevilla-Nachbar ist der Meinung, jetzt sollte man Militär (!) einsetzen gegen die aufsässigen Katalanen (obwohl ja Andalusien profitiert vom, wenn auch nicht mehr so großen) Reichtum Kataloniens; 
  • mein Anwalt veröffentlicht eine Riesenliste der katalanischen Produktete, die man nun boykottieren soll. Gar nicht so einfach ist das übrigens!

Wo bleibt die Vernunft?

Ist das der neueste Trend, dass Mannsbilder so emotional reagieren? Kann man ihnen bitte mal das Schachspielen beibringen, wo man viele Züge voraus denken muss? Lasst sie doch ihre Unabhängigkeit ausrufen und fragt dann: UND NUN ?

  1. Schon jetzt droht Katalonien die Abstufung beim Kreditranking, das bereits gegenwärtig nicht gut ist: das schreckt neue Investoren ab.
  2. Der Tourismus mit seinen Einnahmen wird auch zurück gehen.
  3. International tätige Firmen ziehen ihre Niederlassungen bereits aus Barcelona ab, nach Mallorca, Madrid und Sevilla übrigens: ist doch wirtschaftlich gut auch für den Rest Spaniens, das nur nebenbei.
  4.  Auf die EU brauchen sie nicht zu hoffen: Eine Anerkennung einer Region - natürlich mit dem erhofften Geldsegen ( "Nachtigall, ick hör dir drapsen!") -  hätte ja eine Lawine zur Folge von aufsässigen, nationalistisch eingestimmten anderen Regionen von Baskenland, Flandern, Schottland bis Südtirol und - nein, die Bayern sind da viel zu sehr dem Modus verhaftet: "Leben und leben lassen". Obwohl sie ja auch 6 Milliarden an andere deutsche Bundesländer jährlich berappen, eigene Hymne und Flagge haben - aber aus Deutschland weg, das würde doch keinen Spaß machen, wie kann man denn dann die Preußen in Berlin weiter ärgern!?!

Wir werden uns leider weiter mit den Katalanen beschäftigen müssen. Aber ich kann auch weiter den Cava von Freixenet guten Gewissens trinken, weil der Besitzer dieser international tätigen Marke  nach eigener Aussage kein Independista ist!!


 

Gabriele Hefele

Was mir auffällt bei neuen Immobilien

Weg von andalusischer Bauweise zur Flachdachöde?

 

Angeblich geht es ja aufwärts mit der Wirtschaft in Spanien. Mag ja auch sein in einigen Bereichen wie etwa im Immobiliengeschäft, besonders bei hochwertigen Projekten, wie man uns berichtet. Leider merkt man ja bei der Arbeitslosigkeit und besonders den arbeitslosen Jugendlichen wenig von diesem Aufschwung.

 Aber zurück zu den Immobilien. Ganz krass fällt mir auf, dass in den neuen Prospekten und Anzeigen neue Anlagen, Urbanisationen, Villen und Appartementhäuser fast durchgehend nur noch fantasielose Flachdächer aufweisen.  Ach ja,  diese neuen Projekte werden dann auch noch als "Luxus" verkauft - aber was ist daran "Luxus"? Der Preis allenfalls. Und sie könnten in Vororten von Düsseldorf und London genauso stehen. Oh, ganz Kühne nennen diese Container-Bauweise (aus Solidarität den Flüchtlingsströmen gegenüber?) den "Ibizastil (!).

 

Wo ist die typisch andalusische Bauweise, für die früher - also gut, ist schon mindestens über 20 Jahre her - internationale Architekten zur Anschauung nach Andalusien reisten? Also die Gliederung in die typischen "Mönch- und Nonne-Dächer", der Einbau von Hufeisenbögen, die Gestaltung abwechslungsreicher Materialien von Naturstein und Ziegel mit weißem Baukörper? Der Balkone mit fantasievollen Eisenbrüstungen?

Das Aus für die romantischen Chiringuitos

Ja, wo sind sie geblieben? Stattdessen viele Panoramafenster, die dann von weitem aussehen wie dunkle Höhlen und bei denen sich die Bewohner dann bei Sonneinstrahlung wundern... Okay, man weiß und sieht zum Teil ein, dass die Bauunternehmer mehr mit dieser fantasielosen Einheitsbauweise verdienen, dass es schneller und einfacher geht und da mehr übrig bleibt als bei oben beschriebener sogenannter traditioneller Bauweise. Aber kennen Sie ein Flachdach, das dicht ist - auch noch nach 2 Jahren? Das nur nebenbei. Und das gilt nicht nur für die neuen, angeblich "Luxus"villen, sondern auch für die neuen Chiringuitos am Strand: Die geliebten Holzbauten mit Reetdächern zum Teil sind immer mehr am Verschwinden, müssen abgerissen werdne und Platz machen für diese seelenlosen Abfütterungsanstalten, die mehr einer Garage ähneln.

 Wo ist sie geblieben, die südliche Ästhetik?

 


 

Gabriele Hefele

Pro und Contra KÜSTENZUG

An der Costa del Sol haben sich Parteien, Vereine und Tourismus-Organisationen zusammengetan, um für das Projekt Küstenzug, also einer Verkehrsverbindung von Málaga (die es jetzt als Nahverkehrszug bis Fuengirola bereits gibt) bis mindestens Marbella, besser noch Estepona oder gar eines zukünftigen Tages bis Algeciras, zu verlängern. Ich mache mich jetzt mal unbeliebt und traue mich, Pro und Contra abzuwägen.

 

Foto unten: Fernando Gonzalez, Diario Sur

PRO

  • Der Küstenzug kommt ganz Andalusien zugute, weil es diese Region bedeutender macht.
  • Wenn er als Hochgeschwindigkeitszug kommt  mit nur 1 Haltestelle pro Ortschaft, dann verringert er die Fahrzeit nach Málaga beträchtlich (alles andere wäre nicht rentabel).
  • Er kurbelt die Wirtschaft an.
  • Er schafft Arbeitsplätze.
  • Er verbessert die Infrastruktur

Contra

  • Er kostet Geld aus Madrid (die es nicht hat) und von der Junta de Andalucía oder EU-Fonds, die erst noch aktiviert weden müssten - nach unseren Erfahrungen: Wieviel versickert von diesem Geld dann wieder in dubiosen Quellen?
  • Er zerstört durch den Bau Landschaft, Urbanisationen, Fincas und Grünland mit Tieren.
  • Er verursacht Lärm.
  • Wie kommt die Bevölkerung zu den Haltestellen? Und steigen die Marbelli gern in einen Zug um, nachdem sie den Rolls Royce bei Park&Ride-Plätzen abstellten, die auch noch zusätzlich geplant und gebaut werden müssen?
  • Es dauert eh mindestens noch zehn Jahre bis zur Erstellung nur nach Marbella.

Entscheiden Sie selbst, es gibt ja zum Glück die Idee, vielleicht die Bevölkerung zu befragen. Ich will ja niemanden beeinflussen (oder doch?), aber mir stellt sich eine simple Milchmädchenfrage oder wie man das nennen will:

Es gibt doch einen zum Großteil gar nicht schlechten Busservice die Costa del Sol entlang, ich bin zum Beispiel große Anhängerin der Flughafenbusse, die immer pünktlich verkehrt haben mit mir, ich habe auch pünktliche Entfernungsbusse zwischen La linea und Marbella etwa erlebt und vor allem Busse, die an vielen Einzelhaltestellen halten und nicht nur an einem pro Ort:  Wie wäre es, wenn man dieses vorhandene Verkehrsnetz besser ausbaut und pünktlicher macht zum Teil? Und das kostet dann nur einen Bruchteil des neuen Prestige-Objektes.  Ist aber nur so meine Frage.

 

Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter redaktion@equideas.es


 

Gabriele Hefele

Sind 220 Millionen zu viel?

Foto: Europäische Zentralbank

 

Meine Güte, was für eine Aufregung, Entrüstung über die 220 Millionen Ablöse für Fußballstar Neymar, die er selbst pfiffigerweise  in Form von 300 Millionen vom Scheich aus Katar als "Honorar" bekam,  um sich vom FC Barcelona selbst auszulösen.

Ich oute mich mal: Mir ist es herzlich wurscht, was einer verdient oder besser: einnimmt.  Meine Argumente:

  • Ich habe nix davon, ob einer für 60, 110 oder 220 Mio wechselt oder gar nicht oder für weniger.
  • Dieser deutsche Neid oder wie soll man das benennen: Verteilte man diese Summe  auf die Menschheit an jeden einzelnen - na, was kommt da raus? Sogar wenn man nur unter 82 Millionen Einwohner Deutschlands verteilt, vielleicht noch die 47 Millionen von Spanien dazu rechnet:  weniger als 20 Cent. Na also.
  • Wenn einer dem guten alten Fußball mit Stehtribünen (habe ich doch selbst noch erlebt mit meinem Vater im Grünwalder Stadion in München) nachweint, dann outet er sich höchstens als sentimental und einem gewissen hohen Alter inzwischen angehörend, gemäß der Ansicht:  "Früher war alles besser." Aber früher kommt nicht mehr zurück.
  • Diese scheinheilige Diskussion: Was hätte man da alles Gutes tun können für dieses Geld. Sehen wir es doch mal positiv: Der Scheich aus dem kriegführenden Katar kann dafür wenigstens keine Waffen kaufen.  Ach so, "leider" auch nicht welche aus Deutschland, was ja unserer Wirtschaft nicht gut bekommt? (Ach, der kauft diese Art Waffen sowieso über verschlungene Umwege und Drittländer).
  • Und vielleicht gibt es ja für die moralisch Entrüsteten einen gewissen Trost ( und Schadenfreude): Der Neymar muss seine Einnahmen in Frankreich zu 63 % (!) versteuern. Ob ihm das klar war, als er Spanien Adieu sagte?

 

Sabine Kranich

Portugal macht Hoffnung

Das Ergebnis des diesjährigen EUROPEAN SONGCONTEST war für mich ebenso überraschend wie schön. Zum Seufzen schön und ich habe wieder Hoffnung für die Menschheit, salopp geschrieben. Denn schon seit einigen Jahren drängt sich der Eindruck auf, dass der ESC nicht mehr wirklich viel zu tun hat mit gutem und leidenschaftlichem Gesang, sondern eher mit teuren Bühnenshows und möglichst neuen Spezialeffekten und schön anzusehenden Interpreten und Interpretinnen in ebenso möglichst schönen oder effektvollen Gewändern. Kurzum, man bekam den Eindruck, die Macher hinter den Kulissen haben sich weniger Gedanken gemacht um den Gesang, sondern mehr darüber, wie die Abzustimmenden von vornherein am besten beeindruckt werden könnten.

 

Und dieses Jahr ging diese Rechnung nicht auf. Denn dieses Jahr hat völlig aus dieser Rolle fallend Portugal gewonnen mit einem fadoähnlichen Lied und einem Sänger, der nach den gängigen Klischees weder als überaus gutaussehend zu bezeichnen ist, noch einen spektakulären Auftritt oder ein spektakuläres Bühnenbild zu bieten hatte: Salvador Sobral gewann für Portugal mit dem Lied „Amor pelos dois“ , das seine Schwester extra für ihn getextet und komponiert hat. Sein Auftritt war schlicht, geradezu leise im Vergleich, das Lied in portugiesischer Sprache vorgetragen und ja, höchst emotional. Und auch wenn der Liedtext „Für uns beide lieben“ vielleicht nicht den Literaturnobelpreis verdient, er ist allemal besser als so mancher sich dauernd wiederholender Refrain anderer Teilnehmerländer. Nächstes Jahr wird Portugal Gastgeber und tonangebend sein. Wir dürfen gespannt sein.

 

 

Und genauso liebe ich "mein" Portugal.

 


Gabriele Hefele

Schluss mit der Angst vor dem Altwerden!

Jetzt kommen die zu genießenden Jahre hier im Süden, zum Beispiel in fröhlicher Runde mit Freunden unterm Feigenbaum! (Foto: Reinhard Hefele)

 

Ich habe es langsam satt:  all diese Sprüche wie:

 "Man ist so alt wie man sich fühlt" - "Wer Schönes liebt, wird niemals alt" -

und so unendlich weiter, einschließlich aller Facebook-Simpeltests:

"Hurra, Du bist eigentlich erst 34 Jahre alt".

 

Ja, zum Teufel, pardon, warum soll ich nicht alt werden dürfen? Darf ich mich gut fühlen,  auch wenn ich mich nicht fühle wie ein pubertierender Teeanager oder wie 34? Da machte ich noch so viele Fehler, war noch unsicher - das ist doch keine Option für mich! Und warum soll ich mich unbedingt jünger fühlen, wenn ich ein "tercera edad", wie die Spanier so schön sagen, genieße? Das erste Drittel sind die lernenden Lebensjahre, denen die arbeitenden folgen, und mit dem letzten Drittel sind nun endlich die genießenden Jahre gemeint!

 

Tappen wir alle in die Falle der Werbung vom bekloppten Jugendwahn, dem so viele durch Manipulationen im wahrsten Sinne des Wortes ihr wahres Gesicht opfern? Okay, eine ganze Schönheitsindustrie besonders in Marbella lebt gut davon, ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor, ist mir auch wurscht, was die anderen machen, so lange sie nicht meine Kreise stören! Die Folge sind aber, wenn man kritisch die Hochglanzmagazine betrachtet,  so etwas wie Klone, eine "Menge von Damen, die sich dann zum Verwechseln ähneln mit starren Gesichtern durch mindestens Botoxspritzerei."* Ja, haben die denn gar kein Selbstbewusstsein? Und ehrlich und polemisch gesagt: Gegen die knackigen Ukrainerinnen beispielsweise, die in Puerto Banús  am Abend so herumschweben, können sie doch eh nicht mithalten! Spätestens der Blick der Augen, auch wenn sie rundherum die Lider heben ließen, wirkt erfahrener, wissender, eben im guten Sinn älter.

An mich lasse ich kein Messer oder Nervengift! Von diesen scharfen Antifaltencremes kriege ich eher Pickel und Allergien. Und ist es nicht weise gedacht von der Natur, dass mein Partner im Alter weitsichtig wird, also im Bett neben mir liegend nicht mehr so scharf sieht?! Ist es nicht überhaupt einer der schönsten Heiratsanträge, wenn es heißt: "Mit Dir zusammen möchte ich alt werden"? Da ist "alt" eben nicht als Schimpfwort gedacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist so schlimm an grauen Haaren und vielen Lachfältchen??

 

 

Nehmen wir uns ein Beispiel an den Tieren

Warum nicht vielmehr die bösen Äußerungen von jüngeren Politikern ignorieren, die vorrechnen, dass Rentner zu lange leben und dafür finanziell bestraft gehören und  sich lieber ein Beispiel an der Tierwelt nehmen? Mein Pferd Raro ist jetzt 31 Jahre alt, das sind umgerechnet in Menschenalter circa 93 (!) Jahre - und er ist die geachtete Graue Eminenz am Stall: Die anderen Pferde kämpfen nicht mehr gegen ihn, sie dienen ihm Fellpflege an und er kann tun und lassen, was er will! Klar, alles geht er etwas langsamer an, genießt aber seinen Aufenthalt in der Sonne und sein Fressen schmeckt ihm! Kann man sich ein Beispiel daran nehmen.  Oder an den Naturvölkern wie den Indianern, die die Erfahrung eines Ältestentrates schätzen.

 

Verkehren Sie mehr unter den Einheimischen hier! Man kann in Würde altern im mediterranen Raum, das beobachte ich schon lange, dort, wo übrigens auch die vielen naturbelassenen andalusischen Vetreterinnen zu ihren pyknischen Figuren stehen und ohne Komplexe diese oft gut gepolsterten Kurven sexy betonen; also wo man man sich auch freut, wenn man hierher übersiedelt und seine Rente ausgibt; wo Schüler im Bus noch selbstverständlich aufstehen für eine ältere Dame, wo kein Disco-Türsteher einen von oben bis unten mustert und meint: „Was wollt Ihr denn, Ihr Gruftis?!“ Und wo die spanischen Männer jeden Alters jede Frau jeden Alters überschwänglich mit Küsschen links und Küsschen rechts auf die Wange begrüßen und ungeniert mit ihr flirten. Das weckt die Endorphine auch mit 70 wieder auf!

 

Da heißt es im Norden spöttisch: "Altersheim Mittelmeerküste" - da sage ich nur ja und nochmals ja! Abgesehen davon, dass die Wärme hier im Süden den Gelenken gut tut und man statistisch erwiesenermaßen circa fünf Jahre länger lebt hier - sehr zum Ärger der Erben!

 

* Ausführliches zu diesem Thema  auch "Im Süden in Würde altern" in meinen Büchern: "Was macht die Kuh im Swimmingpool?" und vor allem im neuen "Andalusien ist anders"


Gabriele Hefele

Romantisch oder anstößig? Spanische Anmache, die"piropos"

Zur Zeit werden Komplimente, Anzüglichkeiten zwischen den Geschlechtern besonders unter die Lupe genommen, nicht nur seit der Kölner Silvesternacht und den sexuellen Belästigungen.

Wie steht es nun um die "piropos", die typischen Schmeicheleien, die in Spanien Tradition haben und sehr oft den Mädchen auf der Straße hinterher gerufen werden?

Zur Geschichte

Nach Langenscheidt bezeichnet "Piropo" ursprünglich einen funkelnden Edelstein, Rubin oder Granat. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde es im übertragenen Sinne eine besonders typisch spanische blumenreiche und galante Form der Schmeichelei gegenüber einer Frau, als Ventil für die Leidenschaft, die man nach den strengen Regeln dort ja nicht offiziell ausleben durfte.  Nicht zuletzt der Maureneinfluss zeigt sich in der spanischen Sprache ja durch bildhafte überschwängliche Ausdrucksweise, wir sprechen deshalb auch von Arabesken.  Zu der Zeit, die auch die große Zeit des Minnesangs war (der zum Teil oft auch nicht ohne zweideutige Anspielungen auskam), wetteiferten die Dichter auf diesem Gebiet um die Meisterschaft in Versen.

Andere Quellen beziehen den Wortursprung auf das griechische "Pyro", Feuer und so wurde es zu feurigen Komplimenten mit Sexanspielungen.

Ausgeburt des Machismo?

Was ist von einem folgenden Zitat  (nach Wikipedia) zu halten:"Ich würde gerne eine deiner Tränen sein, um in deinen Augen geboren zu werden, auf deinen Wangen zu leben und auf deinen Lippen zu sterben" (Verfasser unbekannt). Es redet natürlich kein Mensch mehr so  (teilweise leider?), wäre wahrscheinlich eher ein Lacherfolg bei der Angebeteten - aber immer noch um Längen besser als Prinz Charles´ berüchtigter Wunsch, ein Tampon zu sein!

Allerdings sind wir damit bei der anrüchigen Version, zu der sich Piropos auch entwickeln. Da gehört "tantas curvas - y yo, sin freno" (so viele Kurven und ich ohne Bremsen) noch zu den harmloseren Aussprüchen oder: "Ich wünschte, ich würde schielen, dann könnte ich Dich doppelt sehen!"  Das ist ja noch harmlos, das versteigt sich dann zu Anwürfen wie: "Deine Augen sind wie Weintrauben, Dein Mund gleicht einem Apfel -  welch großartigen Fruchtcocktail könnten wir herstellen mit meiner Banane." Und das ist noch eines der weniger krassen Beispiele. Früchte müssen überhaupt im Latinobereich oft herhalten für frivole Bemerkungen.

Heute: Neue Prüderie oder mehr Sensibilität?

Wie reagiert man nun darauf? Gigolos am Strand wollten seinerzeit in den Anfängen des Tourismus die Ausländerinnen damit beeindrucken, wobei mangelnde Spanischkenntnise bei den Touristinnen ihnen dabei halfen. Die Spanierin ist die Piropos gewöhnt und geht meist würdig schweigend darüber hinweg. Doch die Zeiten ändern sich. Die Juristin Maria Angeles Carmona, die in Spanien offiziell als Beobachterin zur häuslichen Gewalt eingesetzt wurde, nennt Piropo ein "Eindringen in die weibliche Privatsphäre."  Und sie meint weiter sehr kategorisch: " Piropo war immer erlaubt und als normal angesehen, aber niemand hat das Recht, einen Kommentar über das äußere Erscheinungsbild einer Frau abzugeben und das muss ausgerottet werden!"

 

 

Hinterher gerufene Anzüglichkeiten auf der Straße:

 

typische gewohnte Latino-Masche oder sexuelle Belästigung?

 

 

 

 

 

 


WER BRAUCHT SCHON EINE REGIERUNG!

Jetzt Deutschland und auch Spanien kam ja lange nicht zu Potte mit einer Regierungsbildung, nachdem nach der wiederholten Wahl ungefähr dasselbe Ergebnis für die Parteien wie zuvor zustande kam - hat jeder logisch denkende Mensch sowieso erwartet! Nun kann also wieder nicht der eine mit dem anderen oder gegen die anderen ... und schrecklichweise sprechen viele von einer dritten Wahl innerhalb eines Jahres!

In Facebook grassierte übrigens zu den Wahlaussichten in den USA folgender Post:

Im "Periodico de Sotogrande" gab der bekannte Kolumnist und Wirtschaftsjournalist Carlos Rodríguez Braun in einem Interview folgende bedenkenswerte Sätze von sich:

"Arbeitsplätze, Reichtum und Wohlstand schaffen die Leute, nicht die Regierung!" Und weiter: "Wir geben der Regierung eine Bedeutung, die sie nicht hat ... Die Quelle für einen Aufschwung sind die Unternehmer und die Arbeiter,  er kommt aus dem Privatsektor ... Es scheint, dass die Bürger der Regierungen müde werden. Erinnern wir uns: Belgien hatte für fast eineinhalb Jahre keine Regierung - und seine Wirtschaft wuchs."

Das Gleiche sieht er für das kleine Pflänzchen Wachstum jetzt in Spanien:  Es wird nicht von einer fehlenden Regierung tangiert. Und der Brexit hat bisher auch keine weitere Krise ausgelöst seiner Meinung nachfür Spanien.

In diesem Sinne noch einmal:  Die Parteien können sich ruhig weiter Zeit lassen und sich öffentlich beleidigen, Kompetenz absprechen undsoweiter: so lange sie keine Regierung bilden und wir von unsinnigen Gesetzen verschont bleiben, können wir Bürger in Ruhe arbeiten!

3. Parlaments-Wahl gerade so vermieden


11.06.2016

Gabriele Hefele

EM - EU - ES

Von Brexit, Fußball und Wahlen

Fotos oben: aus dem Katalog von El Corte Ingles

 

Eigentlich stehen sonst bei uns im Juni die San-Bernabé-Ferias und vor allem die Noche de San Juan im Mittelpunkt. Aber diesen Monat sieht alles anders aus!

  1.  begann nun endlich die Fußball-Europameisterschaft! Und wer wird den Pokal erringen? Ich glaube nicht, dass die Deutschen auch nach dem WM-Titel siegreich sind - man schaue sich nur das traurige Trikot an!  Ein weißes Unterhemd mit Trauerrand! Das ist doch kein Siegeraufzug! Und da man uns Damen nachsagt, dass wir so nach Aussehen gehen beim Fußball, da müssten eigentlich die Spanier wieder mal gewinnen: Ist das nicht ein schickes Trikot? Aber unser Mitarbeiter José meint, auch die würden es nicht packen. Also Belgien, das ist mein Tipp, die haben wenigstens dieselben Flaggenfarben wie die Deutschen, wennauch auf den Kopf gestellt.

2. BREXIT. Als ich neulich abends von einem Engländer nach meiner Meinung dazu befragt wurde, da habe ich so laut und dreckig gelacht, dass alle anderen Anwesenden ihren Kopf herum rissen. Eigentlich sind ja politische Themen beim kunstvollen Smalltalk verboten, aber er  provozierte mich:  Alle meine von mir bewunderen britischen Freunde kennen meine Meinung, dass von vornherein die Briten, die sich ja immer in Gegensatz zu den Leuten auf dem "Kontinent" stellen, historisch gesehen weniger in die EU gehörten als seinerzeit (was man versäumte!) die Russen.  Allein ihre Gesetzgebung, die angelsächsische mit diesen manipulierbaren Geschworenengerichten ist eine andere als die unsere, auf dem römischen und napoleanischen Recht fußende. Sie selbst, die Briten, werden bei einem Austritt nicht nur Schottland endgültig verlieren, sondern selbst auch noch mehr wirtschaftliche Macht - wird ja zur Genüge diskutiert in den Medien. Deshalb nicht mehr dazu. Spannend wird es auf jeden Fall.

 

3. Nein, über die in meinen Augen unverschämt-dumme und teure (150 Millionen Euro) Wiederholung der spanischen Wahl am 26. Juni äußere ich mich nicht mehr - alles was im untenstehenden Beitrag dazu steht, gilt für mich weiterhin. Und was soll da sehr viel anderes heraus kommen? Hauptsache, die Parteien paralysieren sich wieder lange Zeit und kommen nicht zur Regierungsbildung, dann können sie nichts anstellen und weitere bürger/ausländerfeindliche und bekloppte Gesetze beschließen!

 


18.09.2015

Immer diese Katalanen!

Schon wieder! Jetzt soll wieder einmal am 27. September 2015 in Katalonien abgestimmt werden zur Unabhängigkeit von Spanien. Wie in jedem Land ist die Hauptstadt Madrid, in die Gelder zur zentralen Verwaltung fließen (und zum Teil versickern?) nicht beliebt - das ist aber auch beispielsweise in Frankreich gegenüber Paris, in Deutschland gegenüber Berlin und ihren meist als hochnäsig empfundenen Bewohnern ähnlich so.  Aber will beispielsweise das Languedoc sich abspalten von Frankreich? Ja, nicht einmal die Bayern von den "Preissn". Und erst kürzlich schreckten auch die Schotten vor ihrer eigenen Courage zurück und blieben bei ihrer Queen.

 

Übrigens versickern in Barcelona die Gelder auch irgendwie - Ministerpräsidnet Arturo Mas soll korruptionsmäßig auch Dreck am Stecken haben...

Die Katalanen argumentieren, dass sie ja die reiche Industrie hätten und ganz Spanien an ihrem Tropf hinge.

Na-na-na:

  1. Bei einem großen Industriezweig handelt es sich z.B. um einen VW-Import (auch an Knowhow),
  2. so toll waren die Industrieeinnahmen in den letzten Jahren nun auch wieder nicht,
  3. und zwar so wenig, dass auch Katalonien als hoch verschuldet gilt!
  4. Und hauptsächlich hat man ihnen schon einige autonome Rechte eingeräumt: So muss die 21%-Mehrwertsteuer nicht nach Madrid abgeführt werden, sondern darf in der Region bleiben.
  5. Nach der spanischen Verfassung, die eine der besten und modernsten ist nach Historikeransicht, können sie sich gar nicht abspalten, ist die Abstimmung null und nichtig, illegal.
  6. p.s. zu 5.:  Sie vergessen übrigens, dass sie ihre Freiheit nach Franco dem verschmähten König Juan Carlos verdanken, der nach Amtsantritt sofort seine Macht ans gesamte Spanienvolk übergab und seinen ersten Amtsbesuch nach Barcelona unternahm und dort in Katalanisch eine flammende Rede hielt.

Sie können übrigens abstimmen wie sie wollen, in der EU wurde ihnen schon signalisiert, dass sie dann auch nicht mehr automatisch zur EU mit ihrem großen Subventionstopf gehören, sondern sich "in der Schlange hinten anzustellen haben."

Da hilfts auch nix, dass Bayerntrainer Pep Guardiola extra zum Pro-Abstimmen nach Barcelona fliegt oder sogar als Kandidat auftritt - aber der rennt ja auch schon seit einiger Zeit gewissen Titeln hinterher. Schlechtes Omen.

 

Auch die Schotten sind ein ähnlich rebellisches Völkchen!


Endlich Herbst!

10.09.2015

Es gab mal so einen schönen uralten Song: "Melancholie im September". Die überkam mich, wenn die Schule nach den Großen Ferien wieder begann. Melancholisch ist man ja heute nicht mehr, vielmehr hat man heutzutage Depressionen oder das Burn-out-Syndrom.

Mich überfällt aber hier im September keinerlei Melancholoie oder eine Depression! Auch, wenn es plötzlich Nebeltage gibt, weil endlich die Tagestemperaturen auf humane Grade absinken, das Meer aber noch sehr warm ist. Dann sind diese unheimlichen dumpfen Nebelhörner der vor Gibraltar in der Warteschlange stehenden Schiffe zu hören.  Auch, wenn es morgens um halb acht Uhr noch dunkel ist. Ich habe da keinerlei Melancholie, allerdings vielleicht etwas fehlenden Morgenschwung zum Aufstehen und Tiere füttern.

 

Aber zum Glück ist dieser Sommer vorbei! Endlich finde ich wieder einen Parkplatz direkt vor der Post oder Mercadona, ohne lange Schleifen drehen zu müssen. In Urbanisationen können die wenigen Besucher  frühmorgens nun nackt im Swimmingpool baden. Die Kellner in den Restaurants werden wieder freundlicher, die Portionen wieder größer, die Autobahngebühren wieder niedriger.

Ich muss nicht mehr jeden Tag den Garten gießen, die Waldbrandgefahr sinkt. "Can´t wait for autumn - been a long hot summer!", seufzt auch meine englische Freundin.  Und wenn erst der ganz große Regen kommt, dann führe ich einen Regenschirmtanz auf, dann blüht und sprießt hier wieder alles fast von einem Tag auf den anderen. Dann kommt "la segunda primavera", wie unser Gärtner zum otoño sagt, der Herbst, der ein zweiter Frühling ist.

 

 


Sportbegeisterte Küste

 Nein, wir sind nicht nur Galas und Beachpartys, Pop-Festivals und Discoqueens, und nicht auch nur Costa del Golf! Nein, wir stehen begeistert am Straßenrand und auf Fußgängerbrücken, dicht an dicht gedrängt mit unseren Foto-Handys, die wir weg stecken, um dem Pulk der Radrennfahrer der Vuelta de España herzlich und ausgiebig zu applaudieren. Sie anzufeuern, bei den zum Teil steilen Berganstiegen, mit denen unser Andalusien aufwarten kann, das ja nicht nur Strand zu bieten hat. Dieses Mal führte die Spanienrundfahrt, das wichtigste Radsportereignis gleich nach der Tour de France, durch einen Großteil von Andalusien, unsere Küsten mit Hinterland bis Madrid. Es gab bei so viel Licht auch Schatten: Massenstürze bei Alhaurin und wieder auf der achten Etappe mit einem ernsthaft verletzten belgischen Rennfahrer.


Dagegen geriet aber das große 44. internationale Poloturnier von Sotogrande direkt etwas in den Hintergrund, auch wenn es Pferdefreunde aus allen Teilen mit wie immer auch gesellschaftlicher Prominenz vereinte. Denn schließlich findet es jedes Jahr in der letzten Augustwoche statt und ist nicht unbedingt jedermanns Sache als elitärer Sport im Gegensatz zum Radfahren, das wir alle selber können.


Das Schöne an der Vuelta, die so hautnah durch unsere Ortschaften führte, war nicht nur, dass dieses Highlight gratis war, sondern dass es so einträchtig alle Bevölkerungsschichten hier bei uns vereinte, dass hier Spanier neben Tourist, Einheimischer neben Resident stand und man ins Gespräch kam bei der mindestens einstündigen Wartezeit auf die dann sehr schnell vorbei huschenden Profisportler.